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1717

3. Brief

Christiana Mariana von Ziegler

Untreue! kannst du dich noch auf die Hand besinnen, Die dieses Blat an dich, Meineidige gericht, Worauf der Thränen mehr, als Dintentropfen rinnen, So lies, und frage dich, was dein Gewissen spricht.

Alphonsus schickt es dir, der ehmals dich erhoben, Nun aber statt des Danks mit Kummer und Verdruß Bey deiner tollen Wuth, bey Rasen, Fluchen, Toben, Auf einer Insel hier sein Elend bauen muß.

Wie hätt ich armer doch wohl übler können wehlen, Als doch mein Aug auf dich, du Furie, verfiel? Warum gerieth es denn in des Avernus Hölen? Denn Pluto war gewiß als Henker mit im Spiel.

Die Nachwelt wird es nicht, sie kann es auch nicht glauben Daß deine Geilheit mir durch Falschheit, Rank, und List, Kann Freyheit Kron und Trohn, wohl gar das Leben rauben, Mir, den du als Gemal, und König hast geküßt.

Es sey der Scheidebrief, das Unglücksblat, verfluchet, Das du mir zu gestellt, und das dein Lästermund Durch Vorwand, Lug und Trug noch zu beschönen suchet! Dies macht das Reich empört, dies bricht den Eyd und Bund.

Was zischest du dem Volck, dem häßlichen Geschmeisse, Für fabelhaftes Zeug, Betrügerinn ins Ohr? Wie stellst du, da ich doch die Unschuld selber heisse, Der Welt das Gegentheil von meiner Treue vor?

Ists möglich, daß du kannst Algarbien belügen, Als ob sich überall die Ohnmacht bey mir wies, Nach der ich Lieblingen, um dich nur zu vergnügen, Zu deinem Schlafgemach den Schlüssel überließ.

O Schandmaul! welcher Prinz läßt wohl mit eignem Winken Den Räuber, den er sieht, in seinen Garten ein? Wer läßt den Frevler wohl aus seinem Becher trinken? Des Throns und Lagers darf kein andrer theilhaft seyn.

Dies sannst du listig aus, mich nur verhaßt zu machen, Und gabst dabey noch vor, als wenn noch immer dar, Worüber ich auch muß in meinem Elend lachen, Es sollte dich die Welt die andre Vesta nennen,

Die vormals Lebenslang der Keuschheit sich verschrieb. Drum sah man dich verstellt nach einem Kloster rennen, Als ob in selbiges dich dein Gewissen trieb. Dies sollte, Heuchlerinn, dir eine Maske leihen,

O ja! dies schickte sich zu deinem Fleisch und Blut Das du gewohnet warst der Wollust bloß zu weyhen, Und welche noch bey dir, bis itzo Wirkung thut. Mit was für frechem Sinn und bulerischer Stirne

Suchst du die heiligen und stillen Mauren auf, Don Pedro war dir bloß, ich weis es, im Gehirne, So listig bahntest du dir deiner Liebe Lauf. Was hast du nicht daselbst, für Streiche ausgehecket,

Wodurch du gegen mich mein treues Volk verhetzt! Was Aufruhr hast du nicht im ganzen Reich erwecket, Der deinen Buler nun auf meinen Thron gesetzt? So hat dein geiler Geist sich wider mich empöret,

Mein Scepter, dessen Macht ich dir mit über gab, Verwandelt sich nunmehr, wie mich die Zeit gelehret, Durch deine Grausamkeit in einen Schlangenstab. Sag Mammeluckinn doch, was hat dich denn bewogen,

Daß deine freche Faust mir, deinem Ehgemal, Den Königsmantel hat so schändlich abgezogen? Ich weis wer solches dir, Bundbrüchige, befahl. Du suchtst mit selbigem die Schande zu zu decken,

Die mit Don Pedro dich die Geilheit treiben heißt. Des Bruders Lagerstadt so schändlich zu beflecken, Ist etwas das uns auch das Heydenthum nicht weist. An eurem Throne wird der Fluch bekleben bleiben,

Mein Ach und Weh schleicht euch stets, geile Seelen, nach; Der Thränen Salz das ihr mir suchet auszutreiben, Und meiner Seufzer Kraft dringt in eur Schlafgemach. Armseliger Alphons! du bist nunmehr verwiesen;

Dein falsches Ehgemal, der Bruder und das Reich Die deine Thaten sonst aufs trefflichste gepriesen, Die wüten allerseits nun wider dich zugleich. Statt meines Throns ist mir ein Kerker aufbehalten,

Da stößt das Tygerthier, Maria, mich hinein, Doch muß ich mit Geduld den Himmel lassen walten, Der wird schon zwischen mir und dir ein Richter seyn.

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