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Das Zwölffte Lied

Philipp von Zesen

Wann schon die Sonne scheint einmahl und durch die Wolcken blicket Graß Laub und Thier erquicket Macht lustig Feld und Tahl:

Kömmt doch das ungewitter und macht die Freude bitter Wann sich der Sturm erhebt Das Meer und Erd' erböbt

Der Vogel Zahl schweigt allzumahl kein Tierelier schwingt sich herfür;

Der Sonnen Licht Kann zeigen nicht Den güldnen Glantz das liebliche Gesicht. Also wenn schon das Glück sich zeigt

und uns einmahl anlachet Viel Lust und Freude machet Wenn Sturm und Wetter schweigt; Bald aber kömmt mit Hauffen

Das ungelück gelauffen Wie Schnee und Eiß zergeht Die Blume nicht besteht So eylt zurück

das schnöde Glück und weicht mit Macht Zu Tag und Nacht; Es eylt und flüht

So bald es blüht Ist nur allein auff Flüchtigkeit bemüht.

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Das Zwölffte Lied · Philipp von Zesen · Poetry Cove