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Das Zwölffte Lied

Philipp von Zesen

Sonne laß scheinen deine Rosen-wangen Die mit Rubienen völlig einher prangen Komm ach du Fürstin der Gestirnten Felder ziere die Wälder.

Schmücke dich herrlich mit geflammten Haaren Laß durch den Himmel deine Rosse fahren Eyle die Vogel hör ich schon erschwingen Singen und klingen.

Nun seyd willkommen ihr geehrten Stunden Die mich dem trauren gantz und gar entbunden Nun seyd gegrüßet; Weil wir können meiden Trauren und Leiden.

Diß ist die Stunde Lieber laß uns schreiben Laß uns mit Liedern diese Zeit vertreiben. Meine Geliebte wil die süßen Schmertzen tilgen im Hertzen.

Ach hört! die Pferde die geschwinden Pferde Schnauben und rennen frölich auff der Erde Sie bricht mit Freuden durch die schöne Wälder Wiesen und Felder.

Lachet ihr Thäler ihr begrünten Auen Lasset uns wider diese Freude schauen: Die uns der Ostwind vormahls hat entführet Kommet gezieret.

Sey uns willkommen du o Zier der Zeiten Liljen und Rosen müssen wir ausbreiten Wo du mein Leben itzo pflegst zu gehen sitzen und stehen.

Dein Abseyn machte daß die grünen Wiesen Müsten verwelcken und die Winde bliesen Nicht mehr so sanffte da der Wind aus Norden stürmisch war worden.

Ey nun so leb' ich stets in vollen Freuden Es soll uns niemand von einander scheiden Kein Neid kein Trauren keine Noth und Leiden Sollen uns scheiden.

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