Wer giebt o mund dier diesen muht
daß du durch blasses lippen-bluht
beschmutzst den heilgen schnee der hände
der durch der heissen seuftzer pflicht
wohl schmältzen solte wan er nicht
wer' unentfündlich sonder ende.
Vergib mier schöne hand den kus
den ich gezwungen geben mus
vergib es mier o Adelinde;
die schuld ist deiner glieder zier
die fordern diesen kus von mier
verfolgt durch tausend hertzens-winde.
Du liebe hand sei tausendmahl
und mehr beglükt ja ohne zahl
durch mein geträues hertz beküsset;
nim an der müden seele geist
der Dier auf kniehen dienste leist
und deine Göttin götlich grüsset.
O Adelinde liebstes Kind
das keine mutter schöner findt
verleih mier blikke deiner gnade;
entzeuch auch deine liljen nicht
noch die zwei-fache rosen-schicht
dem sauer-süßen lippen-pfade.
Ist gleich mein leib von Dier entfernt
so küsst doch weil der himmel sternt
mein' andacht deine liebe seele;
ja dein gedächtnüs sol in mier
verbleiben weil der geist alhier
noch schwebt in seines sitzes höle.