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Das zehnde Lied

Philipp von Zesen

Wer giebt o mund dier diesen muht daß du durch blasses lippen-bluht beschmutzst den heilgen schnee der hände der durch der heissen seuftzer pflicht

wohl schmältzen solte wan er nicht wer' unentfündlich sonder ende. Vergib mier schöne hand den kus den ich gezwungen geben mus

vergib es mier o Adelinde; die schuld ist deiner glieder zier die fordern diesen kus von mier verfolgt durch tausend hertzens-winde.

Du liebe hand sei tausendmahl und mehr beglükt ja ohne zahl durch mein geträues hertz beküsset; nim an der müden seele geist

der Dier auf kniehen dienste leist und deine Göttin götlich grüsset. O Adelinde liebstes Kind das keine mutter schöner findt

verleih mier blikke deiner gnade; entzeuch auch deine liljen nicht noch die zwei-fache rosen-schicht dem sauer-süßen lippen-pfade.

Ist gleich mein leib von Dier entfernt so küsst doch weil der himmel sternt mein' andacht deine liebe seele; ja dein gedächtnüs sol in mier

verbleiben weil der geist alhier noch schwebt in seines sitzes höle.

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