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Das Zehende Lied

Philipp von Zesen

Was Liebe sey und was sie kann Weiß itzund fast ein jedermann Kein Ding ist ja von lieben leer Die Erde liebt das wilde Meer

Der Weinstock pfleget ümzufassen Des ulmenbaums begrünte Zier; Die Nachtigal so für und für Die grünen Wälder nicht kann hassen

Der schnöden Welt giebt gute Nacht Wann sich Ihr Lieb von hinnen macht; Nichts anders als die Lieb' es machet Daß sich der Sternen Schaar anlachet

Ja daß die Lufft das Feuer tregt; Wer hatt doch Gott nur angetrieben Sein Allmacht gegen uns zu üben? Die Lieb' hatt Ihn allein erregt.

Drüm recht! Ihr nunmehr Liebes-Paar Laßt Euer Leid nun schwinden gar! Es wündscht Euch Glück ein jedermann Ich wil die Seiten wie ich kann

Anstimmen und odarisieren Zu Ehren diesem Hochzeit-Schein; Ach solt' ich auff den Wiesen seyn Da stets die Vogel modulieren

(mein Fürstenau ich meine dich Da schöne Blumen heuffiglich und edle Früchte seyn zu schauen ) Ich wolte laßen Blumen hauen

und zieren aus das Braut-Gemach; Doch wil ein Hochzeit-Lied ich singen Das soll erschallen und erklingen Biß an das blaue Wolcken-Tach.

Nun gehet hin und braucht der Liebe; Des Glückes Neid Euch nicht versehr; Kein unfall niemahls Euch betrübe Daß übers Jahr Euch Gott verehr

Was Euch anlacht Zu Tag und Nacht Was nach dem Tod' Euch lebend macht.

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