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Das Sechste Lied

Philipp von Zesen

Halt! du schöner Morgenstern Bleibe fern und du güldne Nacht-Laterne Halt der weissen Pferde Lauff

itzund auff; Steht ein wenig still Ihr Sterne. Gönne mier die süße Ruh Sonne Du

Laß uns doch der Liebe pflegen Laß den kühlen Reiff und Tau Auff der Au Noch ein wenig unsert wegen.

Ist doch meine Liebste mier Sonn' und Zier Die mich itzund in den Armen In den zarten Armen weiß

Die mein Preiß und mich also lässt erwarmen. und du wunder-schönes Licht Die ich nicht

Nach der gnüge kan beschreiben Laß der hellen Augen schein bey mier seyn Biß der Tag die Nacht wird treiben.

Wie hat mich dein rother Mund Doch verwundt? Das zweyfache Schild mich zwinget Das vor deinem Hertzen steht

Wie ein Beet Da der Liljen Pracht auffspringet. Ach! entschlage dich ja nicht Schönes Licht

Dieser Lust in deiner Jugend Brauche deiner Liebligkeit und der Zeit Schadt es doch nicht deiner Tugend.

Laßt uns immer freudig seyn; Nacht und Wein Reitzen uns itzund zum lieben; Dann wann Liebe Nacht und Wein

bey uns seyn Kann uns Langmuth nicht betrüben.

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Das Sechste Lied · Philipp von Zesen · Poetry Cove