Skip to content
1654

Das Sechste Lied

Philipp von Zesen

Ach weh! Ich muß vergehen und stets in Trauren stehen Weil du so fliehst für mir Du meine Freuden-Sonne

Du meine Lust und Wonne Sol ich dann nun von dir? Wiltu mich so verschmähen? Du must es ja gestehen

O Venus meiner Zeit Daß ich dir hab' ergeben Mein Hertz Muth Sinn und Leben und schafft mir itzt nur Leid.

O ändre deine Sinnen Dein thörichtes Beginnen Du meiner Freuden Pein Weil dein so lieblichs blicken

Mein Hertze wil verzücken Laß mich der Deine seyn. Wann Cynthia stoltzieren und Titan wird auffführen

Den Wagen voll Rubien; So wil ich an dich dencken Dier manche Wündsche schencken Die durch die Lüffte zihn.

Diß laß dir so gefallen und liebe mich vor allen; So sol dein hoher Preiß Durch Lufft und Wolcken steigen

und dir nach Willen schweigen Der Neid-gewohnte Kreiß.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Das Sechste Lied · Philipp von Zesen · Poetry Cove