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Das Neunde Lied

Philipp von Zesen

Seyd willkommen seyd willkommen Meiner Sinnen Meisterin Nun ist mir das Leyd benommen Nun ist wieder frey mein Sinn

Weil ich nun kan wieder schauen Der beblühmten Glieder Auen. Großen Danck und seyd gegrüßet Höchster Schatz mein güldnes Licht

Mein Gemüth wird auch durchsüßet Weil ich nun sein Angesicht Dem die Rosen weichen müssen Kann in gutem Friede küssen.

Schönste wil sie mit spatzieren In den Garten vor das Haus Ich wil bey den Händen führen Sie hinein und wider raus

Da sich die Natur bemühet und die schöne Rose blühet. Ich wil folgen wo Er gehet Wo der weissen Liljen Schnee

Auff den bunten Beeten stehet Wil mich setzen in den Klee und in seinen zarten Armen Liebster Schatz mit Lust erwarmen.

Schönste seht! wie schön nur blincken Die Violen gelb und blau Wie die bunten Nelcken wincken Durch den weissen Silber-Tau

Allhier reiffen die Melonen Pommerantzen und Citronen. Meine Hand ist schon bemühet Ihm zu winden einen Krantz

Weil die schöne Rose blühet Weil noch völlig ist der Glantz Weil die Tulpen und Narcissen Noch zu Kräntzen dienen müssen.

Hier kann ich mich zwar ergötzen Mit der schönen Garten-Lust Besser aber kann mich letzen Ihre Liljen-weisse Brust

Ihre Lippen Ihre Wangen Die mit schönern Sachen prangen. Ach! was solten meine Wangen und ich arme Creatur

mit noch schönern Sachen prangen! Es beliebt dem Liebsten nur So zu reden so zu schertzen Geht es Ihm doch nicht von Hertzen.

Ach! was mag sie Liebste sprechen Es ist Ihre Höffligkeit Die sich kann herausser brechen und die Hand der Schöne beut

Wie sol ich mit bloßem Schertzen brechen aus dem treuen Hertzen? Ach! ich möchte gerne wissen Was nur schönes an mir sey?

Was auff Höffligkeit geflissen und der Tugend falle bey? Das Ihm hat gelüst zu loben und mich also sehr erhoben.

Es beschämen Ihre Wangen Das beblühmte Garten-Beet Da die Tausendschönen prangen und die weisse Rose steht;

Ich kan sagen daß Narcissen Ihrer Stirne weichen müssen. Seht! der Abend kömmt geschlichen unsre Freude wird zertrennt

und die Sonn' ist fast entwichen Die mit vollem Zügel rennt Die sich nach dem Meere lencket und die müden Pferde träncket.

Soll und muß ich von Ihr scheiden Schöne meine Lust und Zier Ey so lebe Sie in Freuden und verbleibe günstig mier

Weil die schöne Rose blühet und die Sonne Wasser zihet.

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