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Das fünfte Lied

Philipp von Zesen

Schöne wie mag dieses kommen daß mich ihrer Lauten-klang die Sie kaum zur hand genommen macht so balde liebe-krank

daß die sinnen schwächer werden und sich neugen hin zur erden daß mich ihrer augen blik ziehet aus mier selbst zurük.

Mit den fingern mag sie spielen aber mit den augen nicht; dan die kraft macht schmertzen fühlen die aus ihren blikken bricht;

ja was mehr ist ihre zunge reget mier auch hertz und lunge wan sie so beengelt singt und mich fast zum sterben bringt.

Ja nuhn kan ich leichtlich gläuben daß Orfeus durch seinen klang wie die weisen Dichter schreiben das vertutzte wild bezwang

weil itzund Ihr süßes spielen die vernunft mus selbsten fühlen und o Engel-mänschen-bild nichts für ihren strahlen gilt.

Ihre laute die sie führet ist mit bändern schön bestrükt die aus lieb' und gunst gerühret könt' ich auch so sein beglükt

daß ein lied aus gunst geschrieben meine Schöne möchte lieben und derselbe der es schreibt Ihrer gunst sei einverleibt.

Sie ist ja zur gunst gebohren denen die Ihr günstig seind und zum lieben auserkohren drüm werd' ich ja nicht als feind

so unglüklich bleiben müssen; bin ich doch auf nichts beflissen als auf ihren hohen preis der von keinem weichen weis.

Wan liebe bei liebe ist dan weis liebe nicht was liebe ist: wan aber liebe von liebe ist dan weis erst liebe was liebe gewesen ist.

So lange liebe nur der liebe stehet bei weis liebe selbsten nicht was recht die liebe sei: wan aber liebe sich von lieb' entfernt und trennet dann weis erst liebe recht was liebe ward genennet.

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Das fünfte Lied · Philipp von Zesen · Poetry Cove