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Das Fünffte Lied

Philipp von Zesen

Ihr Wiesen Thäler Büsch' und Felder Die Ihr der Liebligkeiten voll Sagt mir Ihr Schatten-reichsten Wälder Was meiner Schönsten fehlen soll?

Mein' allerschönste Halb-Göttin Ist meine Lust mein ander Sinn. Gleich wie der kühle Tau im Meyen Die Hügel Thäler Berg' und Büsch'

Durch seiner Kräffte kan verneuen und macht die welcken Rosen frisch; Also verneut auch meinen Sinn Mein' allerschönste Halb-Göttin.

Gleich wie die matten Wanders-Leuthe Erfrischt und stärckt das Reben-Bluth Gleich wie dem Kriegesmann die Beuthe Erfreuet Hertze Sinn und Muth;

Also erfreut und stärckt den Sinn Mein' allerschönste Halb-Göttin. Gleich wie auff dücke fünstre Wälder Sich freut bey Sommers-Zeit ein Thier

und wie die bunt-geschmückten Felder Sich freuen auff der Sonnen Zier: So freut sich auch auff dich mein Sinn O allerschönste Halb-Göttin.

Gleich wie an frischen Wasserflüssen Ein Hirsch sich labet mit Begier Die Ihm ein Laabsaal geben müssen Wenn Er durch Durst getödtet schier;

So kühlt und labet meinen Sinn Mein' allerschönste Halb-Göttin. Mit kurtzen will ich diß beschließen: Mein Schatz ist mir noch mehr als Tau

Kan mich noch mehr als Wein versüßen Sie ist die Beut' auff die ich schau Sie ist mein Schatten meine Sonn; Mein einig Laabsaal Lust und Wonn.

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