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Das Fünffte Lied

Philipp von Zesen

Allhier in diesen Wüsteneyen Da nichts als schwartze Beume stehn Muß ich vor großem Wehmuth schreyen Muß weinen und betrübet gehn

Weil nun mein Hertz mein ander Ich Absondert sich Nun seh ich wie dem ist üms Hertze Der seinen Freund verlaßen muß

Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß. Ihr tieffen Thäler und ihr Büsche Ihr die ihr in den Gründen seyd

Hört meinen Seufftzen zu Ihr Fische und helfft beklagen dieses Leid: Weil ich den Bruder missen muß doch mit Verdruß.

Nun seh ich wie dem ist üms Hertze Der seinen Freund verlaßen muß Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß.

Ihr Berge Felsen Klüfft' und Steine Du Lust-Kind Echo spring mir bey Sih wie den Abschied ich beweine Stimm ein in meine Melodey

Die nichts als Wind und Seufftzen ist Zu dieser frist. Nun seh ich wie dem ist üms Hertze Der seinen Freund verlaßen muß

Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß. Ihr Kreuter die ihr stets auffgehet Wo Wald und feuchte Brüche seyn

Das Laub das auff den Espen stehet Stimmt schon in meine Seufftzen ein; Mein Auffenthalt mein Schatz ist hin Das kränckt den Sinn.

Nun seh' ich wie dem ist üms Hertze Der seinen Freund verlaßen muß Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß.

Ihr Wasser Brunnen Quell und Bäche Steht still und schaut diß Trübnüß an! Ach! hört was ich in ängsten spreche In dem ich diese Trauer-Bahn

Den Weg des Abschieds zihen soll Des Kummers voll. Nun seh ich wie dem ist üms Hertze Der seinen Freund verlaßen muß

Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß. Ihr Himmels-Fackeln und ihr Sterne So in den blauen Wolcken stehn

Schaut auff mich Armen doch von ferne Der ich so einsam her muß gehn und meines Liebsten Angesicht Kann schauen nicht.

Nun seh ich wie dem ist üms Hertze Der seinen Freund verlaßen muß Diß lehret mich mein eigner Schmertze mit überfluß.

Nun komm du süßes Spiel der Winde Du weisser West und nimm diß Wort und bring' es eylend und geschwinde Zu dem der mein gewündschter Port

und zeug' Ihm daß ich meiner Pflicht vergessen nicht: Sein Bluth so auff Papier geschrieben Das sol der Treue Zeuge seyn

Daß Er mich ewiglich wil lieben In Noth und Pein.

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