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Das Erste Lied

Philipp von Zesen

Seyt die schöne Kunst entsprossen Die den Göttern gleich geacht und die Sterbligkeit verlacht Die sich vormahls hielt verschlossen

und verschwiegen in der Zeit; Findt sich auch und sticht der Neid Die vergällten Läster-Meuler Schießen gantz-vergiffte Pfeiler.

Aber doch jemehr beschweret Eine Palme sich befindt Desto mehr sie Krafft gewinnt und sich weit als vor entpöret

So wird unterdrücket nie Die geehrte Poesie Sondern pfleget sich zu rechen Wenn der Neid sie gleich wil schwächen,

Hört ein Adler in den Lüfften unter sich der Hunde Heer Acht ihr bellen gar nicht mehr Weil kein Biß ihn kan vergifften;

Also achten wir es nicht Wenn gleich Neidhard auff uns sticht Kann Er uns doch nicht verletzen Noch in Noth und Schaden setzen.

Wie der Adler pflegt zu schwingen Sich zur rothen Sonnen hin So bemüht sich unser Sinn Nach dem hohen Ziel zu ringen

und verlacht den schwachen Neid Welcher schwindet mit der Zeit Weil Er nicht versteht die Sachen Die Ihn können Göttlich machen.

Wie das klare Wasser steiget über sich und quillt herfür Wie Kristall in voller Zier; Dahingegen unten schweiget

Der Morast und liebt den Grund; Also steigt auch unser Mund Will dem Himmel ähnlich werden Da der Neidhart bleibt auff Erden.

Wo die güldne Saat der Sterne An dem blauen Himmel steht Phöbus auff und nieder geht Wo sein Licht uns scheint von ferne;

Da sol unser Name stehn und den Sternen gleich auffgehn: Wann die Neider kleben werden An dem schnöden Koth der Erden.

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