Skip to content
1654

Das Eilffte Lied

Philipp von Zesen

Die Fillis unlängsten sich einsam befande Nächst einem Gebüsche bey Corydons Strande Sie forschte die Sterne bey schattichter Nacht Ob irgend der Himmel sie hette bedacht:

Sie suchte Propheten Laß fleissig dabey Die guten Planeten Sie suchte wo irgend ihr Liebester sey.

Im siebenden Hause stund kräfftig die Sonne Im dritten sich eben auch gutes entsponne Das machte Sie frölich und sagte wohlan: Nun setz' ich das klagen und zagen hindan:

Ich habe gesehen Ein Zeichen allhier Bald wird es geschehen Mein Buhle wird balde sich nahen zu mier.

Sie wolte noch ferner besehen die Finger Sie suchte die Freyer und fande nichts ringer Am kleinesten waren drey Striche zu sehn Ey sagte sie balde: Nun wird es geschehn:

Ich werde bekommen Drey Männer fürwar! Ich hab' es vernommen Sie werden mich lieben in aller Gefahr.

Nun weichet ihr Sorgen ach! weichet von hinnen Ich werde nun immer was liebes beginnen Ich laße den Schmertzen das traurige Weh; Ich mache mich lustig: Drüm trauren ade:

Nun kann ich mich üben In völliger Lust; Nun werden mich lieben Die denen mein schertzen und Hertze bewust.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Das Eilffte Lied · Philipp von Zesen · Poetry Cove