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Das Ander Lied

Philipp von Zesen

Weißheit sage wo du bist wo dein reicher Quell aufsteiget und sich zeiget Träncke mich mit deiner Fluth Höchstes Guth

Laß mich deinen Most versüßen und genießen Deinen Zucker-süßen Wein Laß mich immer bey dier seyn

Daß mein Mund mit Weißheit blühe und in Tugend sich bemühe O du Fürstin aller Kunst die mich kann mit Liebes-blicken So entzücken

Ach wie herrlich ist dein Glantz und der Krantz Der den güldnen Helm ümringet und mich zwinget

Der auff deinem Heupte steht Da der Sonnen Blitz ausgeht Da die güldnen Engels-Flammen Sich entzünden allzusammen.

Deine Brust mit Perlen gantz üm und üm geschmücket Mich entzücket: Ja der hellen Augen Zier Funckeln Dier

Wie des Adlers hohe Strahlen Wenn sie praalen: Deine Wangen wachsen Dier Wie der Tausendschönen Zier

von dem Tau die Lippen nassen Der entspringt auff Hermons Gassen. Du o werthe Creatur du hast mir das Hertz gerühret und entführet

Deine Zucker-süße Wort Seyn mein Port Ja das Hertze wil mir brechen Kann nichts sprechen

Wenn dein Mund sich reget nur; Ich muß laßen Ziel und Spur und mich zu denselben Enden Da du redest willig wenden.

Du solt meine Liebste seyn meine Freude meine Sonne Lust und Wonne Wann mich ja die dunckle Nacht irrig macht

Soll der Augen helles blicken Mich erquicken; Meine Schöne meine Braut Die der Himmel mier vertraut

Du machst das Mich lieben werden Die Gewaltigen auff Erden. Du solt meines Nahmens Lob in die hohen Wolcken bauen Stets zu schauen

Mein Gedächtnüß wird bestehn Wo die Sterne gehn und unsterblich auch verbleiben und bekleiben

Nur dier Neid zu Trotz und Hohn: Wohl demselben! der den Lohn Der da trotzt die hohen Sinnen Kann mit Ehr und Ruhm gewinnen.

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