Unser Augen stumme Reden
Geben offters an den Tag
Was vor Angst uns arme Blöden
In dem Hertzen quälen mag:
Könt in unsern Augen lesen
Der verschwiegnen Liebe Wesen
unsers Hertzens Freuden-Ziel:
Ach! das wer ein süßes Spiel.
Niemand könte recht aussprechen
Solche Freude solche Lust
Alsdann würde bald ausbrechen
Was das Hertz nur hat gewust.
Wil manns aber nicht verstehen
Müssen wir zu Grunde gehen
Werden vor dem Alter alt
Ja wohl gar in kurtzen kalt.
Doch wer üm der Liebe willen
Seinen Leib auffopffern muß
Der kann anders nicht erfüllen
Des ergrimmten Himmels-Schluß:
Drüm nur willig dran gegangen
Weil kein flehen wil verfangen
Etwas vor des Liebsten Thier
Bleibt man sonst doch auch nicht hier.
Muß mann nicht der Zeit erwarten
Biß die schöne Rose blüht?
und biß Flora selbst den Garten
mit Tapeten überziht?
Dulde dich doch unterdessen
Deiner ist noch unvergessen:
Wann die Lind' am stöltzten grünt
Recht sie denn zur Lauten dient.
Wann die schöne Rose pranget
und in voller Blüthe steht
Jedermann nach Ihr verlanget
Eh der klare Tau vergeht
Bricht man sie mit zarten Händen
unsrem Buhlen zu zusenden:
Also eh die Jugend schwindt
Manchen doch die Liebe bindt.