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Das Ander Lied

Philipp von Zesen

Unser Augen stumme Reden Geben offters an den Tag Was vor Angst uns arme Blöden In dem Hertzen quälen mag:

Könt in unsern Augen lesen Der verschwiegnen Liebe Wesen unsers Hertzens Freuden-Ziel: Ach! das wer ein süßes Spiel.

Niemand könte recht aussprechen Solche Freude solche Lust Alsdann würde bald ausbrechen Was das Hertz nur hat gewust.

Wil manns aber nicht verstehen Müssen wir zu Grunde gehen Werden vor dem Alter alt Ja wohl gar in kurtzen kalt.

Doch wer üm der Liebe willen Seinen Leib auffopffern muß Der kann anders nicht erfüllen Des ergrimmten Himmels-Schluß:

Drüm nur willig dran gegangen Weil kein flehen wil verfangen Etwas vor des Liebsten Thier Bleibt man sonst doch auch nicht hier.

Muß mann nicht der Zeit erwarten Biß die schöne Rose blüht? und biß Flora selbst den Garten mit Tapeten überziht?

Dulde dich doch unterdessen Deiner ist noch unvergessen: Wann die Lind' am stöltzten grünt Recht sie denn zur Lauten dient.

Wann die schöne Rose pranget und in voller Blüthe steht Jedermann nach Ihr verlanget Eh der klare Tau vergeht

Bricht man sie mit zarten Händen unsrem Buhlen zu zusenden: Also eh die Jugend schwindt Manchen doch die Liebe bindt.

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Das Ander Lied · Philipp von Zesen · Poetry Cove