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Das Achte Lied

Philipp von Zesen

Wo ist Euer Schönster nur Schöne Braut itzt hingewichen? Folget balde seiner Spur Eh Er gar zu sehr verblichen;

Sucht den Liebsten Er ist hin Es vergeht ihm Muth und Sinn. Seht! wie sehr Er ist verwundt Nichtes ist an Ihm als Liebe

Wie sein Nahme machet kunt Denn der Liebe Feder schriebe Vor der Zeit in euer Hertz: Dencket nicht es sey mein Schertz.

Wann ein Held mit frischem Muth An den Feind so gierig setzet Wird ihm offte Leib und Bluth Durch das grimme Schwert verletzet

Daß Er bald muß halten inn und verlieret Muth und Sinn. So ist Euer Liebster auch Der Euch wollen abgewinnen

und itzund nach Liebes-Brauch Erstlich wird das schiessen innen Das aus euren Augen dringt und sein gantzes Hertz ümbringt.

Eylt und gebt ihm einen Kuß Daß Er mit dem Munde zihen Euren süßen Athem muß Daß die Lippen wieder blühen

und den Rosen werden gleich Die anitzt erblasst und bleich. Ist es Schöne nun geschehn? Ist er nicht schon so erquicket?

Ey nun könnt ihr scheinbar sehn Wie Er vor in Lieb' entzücket Gegen Eure schöne Zier Daß Er sich geschämt dafür.

Nun so sprecht Ihm kühnlich zu Hertzet schertzet weil Ihr könnet. und begebet euch zur Ruh Weil Ihr gar vor Liebe brennet

Geht! o geht! weil Gott und Glück Euch nicht wieder rufft zurück.

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