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1619–1689

Auff H. H. S. Hochzeit.

Philipp von Zesen

Jhr Seelen voller brunst Jhr hertzen voll von feuer So Venus angezündt Jhr reitzerin der Freyer O freundliches geschlecht? O schreckung des gemüths!

O ursach zu der lust! wer wolte sich getrauen Zu schreiben euer thun Jhr schnödesten Junafrauen und wenn Jhm gleich ein Jahr ja wol die Ewigkeit Auch unter dessen wolt gestatten jhre zeit?

Viel stellen sich als wenn sie Gottesfürchtig weren Gehn fleissig zu der Kirch’ als wenn sie wolten hören Doch ümb das hören nicht und bethen nur allein Sie wollen etwas sehn und auch gesehen seyn.

Sie suchen bilder auff so jhr Gebeth-buch zieren; Es soll auch manche sich befleissen mit zu führen Wenn sie zur Kirchen geht vor Arndes Paradies Die Deutsche Schäfferey und Jhren Amadies.

(die Frommen mein’ ich nicht!) wenn sie zu hause kommen und werden denn gefragt was gutes sie vernommen Spricht eine der und der jetzt auffgebothen ward

zum erst- und andern mal; die ander spricht je harrt Ich sah dein Schätzchen auch. Wen aber fremde lente Denselben sprechen zu und kommen auff die Freyhte Da seyn sie erba

und lächlen züchtiglich; gar selten geth ein strahl Aus jhren Eugelein. Sie machen florne schleyer Mitt zinen hübsch verbrähmt in beyseyn jhrer Freyer Sie machen silbern worm un winden auf den la

Ein jedes sonderlich Sie wollen fangen an Zu schicken sich zur Eh und strücken seidne Hauben Mitt Perlen eingefasst im Sommer in der lauben Jm Winter in der stub’: ists nicht ein thun für sie?

Wer jhnen dis mis gönnt der darf nicht seyn allhie. Sie nehen bloch-nath aus so bässer loch-nath hieße Damit die Liljen-haut sichbässer schen ließe; Sie nehen Hertzen aus mit pfeilen schöne beum

Hatzsch-mödcl Kälber-zähn’ erbs-löcher Deut- schereim' Sie machen schöne pfiel bereiten schöne betten Damit sie mit der zeit schon was im vorrath hetten:

Sie nehen hohl-nath aus waschblauel räderlem Saltz-körbe Sonn’ und Mond und was es mehr mag seyn. Das klöppeln jhre lust das hatzschen jhre freude

Das strücken jhre müh das nehen mit der seide Bald blan bald grau bald weiß vertreibet jhre zeit Der Rehmen wird berühmt berühmt wird weit und breit

Das schöne Model-tuch So bringen sie die Stunde Die süße Stunde zu und machen schlechte kunde Mitt jhrem Buhlen hier: doch stellen sie sich so Dann wann er gehen will so seyn sie nimmer froh

Weils nicht von hertzen geht: Sie sprechen zwar Ein Stutzer Ein Gassen-treter nur und bloßer Damen-butzer Was soll ich mit jhm thun; wann er sie zu sich zihn

und reden will spricht sie: Ey macht euch nicht so grun Kennt jhr die Ziegen nicht: dis ist ein bloßes stellen Ein bloßer bloßer schein das mercken die Gesellen

und halten wacker an biß sie genommen ein Durch dienst und stetes lob das kluge Jungfreu- lein. Wann sie sich denn nun gibt und kundschafft mit jhm

machet Gefällt es beyden wohl man hertzer schertzt un lachet Die Euglein streuen aus die süße Liebes-saat Biß endlich auff sie ziehlt des runden glückes radt

Biß endlich Tyndaris die myrthen-kräntze brin- get und jhnen von der licb’ ein süßes liedlein singet Biß endlich auch Vulcan die Liebes

Auß gold von Ophir her und selbe bey der nacht Cupido brauchen lässt; Als denn lässt sie sich sehen und thut was sonsten nie bey Leuten ist geschehen weil sie nun hett genug weil sie den tag erlebt

Nach dem sie fort für fort mit schmertzen hatt ge- strebt. Als denn lässt sie sich aus und spielet jhrem buhlen Auff jhrer Lauten eins in jhrer Liebes-schulen

Zündt an die Liebes-gluth ( Daß nichts als feuers-brunst daraus entstehen kann Wo sie nicht wehrt alsbald und jhre Lieb’ erzeiget

Demselben williglich und seine schmertzen beuget Durch angenehme wort und Anmuth jhrer treu So über jhren Schatz wird alle morgen neu. So muß mann feyren sie so kann sich erstlich stellen

Das kluge Venus-volck wie artlich kann es fellen Auch wohl den klügesten durch solche kunst und list Die jhn von Natur fast eingepflantzet ist.

Noch dieses gieng’ auch hi Ob mann sie oftermahls schon etwas solte bitten Wann sie nur bittens werth mit keuschheit seyn be- kleidt

Mitt tugenden begabt begabt mit liebligkeit. Den ostermals geschichts; wen sie vom hohen stande So achtet sie dich nicht ist sie die schönst’ im lande Geht sie spazieren aus; ist sie den schwartz und bleich

So gehestu beyseyt ist sie an gutern reich So will sie Herre seyn: ist sie denn arm gewesen Entsteht auch zanck und streit: ist sie auch wohl belesen So will sie meister seyn ist sie hingegen tumm

Erhebt sich haß und netd: ist sie gebückt und krum̃ So siehstu andern nach: lästu sie ausspazieren So ist sie dein nicht nur: will sie die Nahrung führen und etwas heußlich seyn so darffstu kemen

freund Zum truncke laden heim sonst wird sie bald dein feind und keusfet auff dich zu: ist sie denn from̃ und züchtig

So hatt sie nicht viel geld: ist sie an keuschheit richtig So ist nicht schönheit da: doch ist die frömmigkeit und keuschheit vorzuziehn demselben jederzeit. Wann sie nur gut und fromm wer fraget nach den

gaben Nach schönheit gold und pracht: wer kann es alles haben Nur freundligkeit und buld erhält das feld bey jhr

Das ander nichtig bleibt und flüchtig für und für. Dan was ist schönheit wohl wann sie zum schönsten leuchtet? Ein angenehmes gifft das unser hertz befeuchtet

Ein zihender Magnet ein Spiegel voller list Ein scharffer siraal der uns zu fällen ist gerüst. Ein zunder böser lust ein fall und gang zur Hellen Der hoffarth Kammer-rath der üppigkeit geselle

Ein zwang zur hurerey; ein ursach aller noth Der Jugend leim und hartz ein rechter freuden-todt und was sie alles ist. Mein sinn ist tieff versencket Das hertz’ erschrickt davor in dem es nur bedencket

Wie hoch die schönheit doch anjetzund ist geacht Da tugend frömmigkeit und keuschheit wird ver- lacht. Wann schönheit oder nur einbildung solcher thete

So hette nie geschaut die schöne morgen-röthe unkeusche lieb und lust so wer auch nicht so bald Narcissus abgefleischt vor trauren worden kalt. Drümb schätzt man seelig die so sich der zucht ergeben

Seyn from̃ der keuschheit voll in jhrem gantzen leben und achten hochmuth nicht noch hoffart ehr und pracht und seyn auf jhren schmuck und schmincken nicht

bedacht Die werden auch gesucht: dann ehrliche gemüther Sehn auff das schmincken nicht viel minder auff die güter

und auff der hoffart glantz; doch wird betrogen auch Manch stiller Mensch und kriegt vor klahrheit lauter rauch. Jhr aber liebsten zwey dörst Euch nun nicht besorgen

Stellt solche sachen ein un schlaftbis an den morgen In stiller sanfter Ruh Jhr seyd nun Junfer braut Dem den Jhr oft begehrt von hertzen anvertraut: und jhr Herr Breutigam habt jetzund eures gleichen

Denn gleich und gleich pflege sich einander fein zu weichen Sie schlägt euch gäntzlich nach an hertz und an gemüth

Sie ist nicht stoltz und frech ja nicht Jhr kleinstes glied Der Hoffart anverwandt: Sie hatt zwar schönheit- gaben

Doch aber von Natur wer wolt es bässer haben? Die andern schmincken sich un wollen schöner seyn Sie tadeln die Natur und gehn wie pfauen rein. Sie aber bleibt wie sie Jhr Schöpfer hatt formieret

Hat sich mit gummt nicht un silber-gläth beschmieret und ist doch Eure Schönst’ und liebste für und für In dem Sie ubertrifft die andern an der zier. Ey nun gehabt Euch wohl: die Nacht will einher bre-

chen Heut spricht man Jungfer geht und morgen wird mann sprechen Willkommen Jungefrau; geht geht und steckt

den kohl Daß er auff Pfingsten trag’: Ey nun gehabt euch wohl!

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