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4. Das ander Weyhnacht-Lied

Philipp von Zesen

Warümb ist der Himmel offen? Laß uns hoffen. Wird die Nacht nicht hell und klar? Es ist wahr.

Siht mann nicht den Mond verbleichen? Er muß weichen. Das gestirnte Wolcken-heer Fliht je mehr und mehr;

Es entspringt ein neues Licht Das mit solchen güldnen strahlen Durch die fünstern Nächte bricht und der Wolcken zelt kann mahlen

Mit Rubien und Hyacinth Das den Nächten abgewinnt. Was doch hört mann an dem Himmel? Ein Getümmel.

und was ist das vor ein Klang? Ein Gesang. Der dort auß den Lüfften wallet? Ja es schallet:

Eine süße Melodey Macht uns Kummers-frey. Hör ich oder deucht mich so Dort die güldnen Cherubienen

Ach wie seyn sie doch so froh Mit den klahren Seraphinen Hört das liebliche Gethön Ach wie klingt es nur so schön!

Freuet Euch alle seyd frölich im Herrn Das trauren sey ferrn Kommet und schauet und fürchtet Euch nicht Ein edeles Licht

Ist itzund auffgangen Mit güldenen Wangen O fröliche zeit Jesus der Heyland ist heute gebohren

Welcher zum Spiegel der Gottheit erkohren Wird itzund auch fleischlich bekleidt O fröliche zeit! Wer ists der sich hier einstellt?

unser Held. Der dort ligt auff Stroh und Heu Sünden-frey? Ach wie ziht Er ein die Lippen

In der Krippen Dessen Hände-werck wir seyn Der uns nehrt allein Der des Großen Gottes Sohn

Mischt sich in der Menschen Orden Hat verlaßen seinen Thron und ist unser Bruder worden: Himmel Erde Lufft und Meer

und was drinnen freut sich sehr. Wie mag dieses gehen zu? Gleube du. Muß Vernunfft dann schweigen hier?

Gleube mier. Ey so nehm ich Adlers-augen! Ja die taugen. Denn ein Adler höher nicht

Durch die Wolcken bricht Wenn er seine kleine Zucht In dem Neste nicht mehr sihet: Also meiner Sinnen flucht

Sich zu schwingen nicht bemühet Weiter in die tieffe nein; Sondern hier soll Glaube seyn. Sey uns willkommen du himlisches Kind

So Friedlich gesinnt! öffnet die Thore der Hertzog kömmt an Erweitert die Bahn; Der König der Ehren

Der lässet sich hören O heiliges Licht! Hertzog du Hertze des Friedens willkommen Friede wird heute verkündigt den Frommen

und zeiget sein güldnes Gesicht O heiliges Licht! Kömmstu schönster Held zu mier? Ja zu dier.

Wie soll das verschulden ich? Liebe mich. Sol nach deiner Lieb' ich streben? Ja mein Leben.

Ey so komm: Ich bin verwundt Küsse meinen Mund O du süßer Breutigam Du Beherscher aller Hertzen

Lesche meine keusche Flamm und der Liebe süße schmertzen Ich bin Dein und Du bist mein und Dich lieb' ich nur allein.

Wer benimmt uns so den Muth? Liebes-gluth: Frauen-Liebe brennt wohl sehr Diese mehr.

Ja es halten deine Wangen Mich gefangen O du güldner Friedens-Held Der mir nur gefällt.

Gib daß unser Vaterland Mag gedoppelt widerschauen Was der Feind von uns gewandt und den stoltzen Frieden bauen

Daß die gantze Christenheit Dich erheb' in Ewigkeit. Ehret den HErren lobsinget dem HErrn Preiset ihn gern.

Himmel und Erde laß hören ein Lied Sey immer bemüht Die Stimme zu schwingen Den Heiland zu singen

Zu itziger zeit. Ehre sey Gott in der höhe dem mächtigen Herren Frieden auff Erden: Unfriede sey ferren! Die Menschen seyn höchlich erfreut

Zu itziger Zeit!

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