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1619–1689

1.

Philipp von Zesen

Ach Liebster Ich liege schon nackend darnieder Wie soll ich die Kleider anzihn Wie soll ich mir wider Die Füße besudeln mein schönster Rubien.

Doch stecket durchs fenster mein Liebster die hände Mein Leben im hertzen erzittert dafür. Ich machte mich eylend zum selbigen Ende und wolte dem Liebsten eröfnen die Thür.

Es troffen die Hände Mit Myrrhen ohn ende und waren benetzt. Ich hatte dem Liebsten eröfnet die Thüre

Ach! aber wo war er doch hin? Weil keinen ich spüre. Ich suchte den Schönen mit traurigem Sinn; Ich ruffte doch kont’ ich den Liebsten nicht hören

Die Wächter beraubten und schlugen mich wund. Euch Töchter Jerusalem will ich beschwören Findt jemand Mein Hertze so macht es Jhm kunt Wie daß ich vor Liebe

Mich hefftig betrübe und lagerhafft sey.

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