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1619–1689

1.

Philipp von Zesen

Er küsse mich vnd lasse spüren Den angenehmen Lippen-taw Er laße mich den mund berühren Auf den ich gäntzlich hoff’ vnd bau:

Wo mir das widerfähret nicht Das Hertze mir vor angst zubricht Nim mich zu dir in deinen garten O mein Rubien o mein Topaß

Da soll o schönster auf dich warten Der Rosenkrantz ohn’ vnterlaß: Wo mir das wiederfähret nicht Das Hertze mir vor angst zubricht.

Ach! Ach! wie kranck bin ich vor Liebe O lieber Buhle kom̃ doch bald Vnd mich nicht länger so betrübe O meines lebens Auffenthalt

Wo mir das wiederfähret nicht Das Hertze mir vor angst zubricht. Ach kom̃ zu hülffe meinem Hertzen Ach! Ach! wie bistu mir so gram

Ach lindre meine leibes schmertzen O Jesu schönster Breutigam. Wo mir das wiederfähret nicht Das Hertze mir vor angst zubricht.

Ach laß mich hören deine Stimme O Jesu Jesu liebster Schatz Du weist wie ich vor liebe glimme Ach sey mir doch ein frewden-platz

Wo mir das wiederfähret nicht Das Hertze mir vor angst zubricht. Ach liebster Schatz die süssen schmertzen Die Du mir zugesüget hast

Die laß Dir gehen doch zu hertzen Vnd lindre meine liebes last. Wo mir das wiederfähret nicht Das Hertze mir vor angst zubricht.

Ach! Ach! wie bleibstu doch so lange Du allerschönstes Fürstenbluth Ach meiner Seelen wird gar bange Vmbringt mit emer grossen fluth:

Das Hertze mir vor angst zubricht Wo du mich wirst besuchen nicht.

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