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1619–1689

1.

Philipp von Zesen

Küsse mich Liebster mein einiges Leben Küsse mich deine Braut eyle zu mier Deine Brust kann uns den süßten Wein geben Balsam und Honigseim quillet herfür:

Die röthlichen Wangen Seyn unser verlangen und riechen mit macht; Dem Balsam sich gleichet

Oliven nicht weichet Schönster dein Nahme der herrlich dich macht. Darümb auch lieben dich unsre Jungfrauen Loben und preisen den edlesten Wein;

Laß uns doch Liebster dein Angesicht schauen Zeuch mich und nim mich ins Zimmer hinnein Wir folgen mit hauffen und kommen gelauffen

O König zu dier Ich werde geführet Mit Golde gezieret Frölich und freudig ins schöne Losier.

Meinet jhr Töchter jhr schönen Jungfrauen Meinet nicht daß ich geringer als Jhr Schwärtzlich doch lieblich laß Ich mich anschauen Salomons Töppiche weichen auch mir

Bin ohne gebrächen; Es hatt mich das stechen der Sonnen verbrannt seit daß mich geneidet

und von mier sich scheidet unser Geschwister Man hatt mich zur Hüterin laßen einsetzen Daß ich die Berge verwachte mit fleiß

Da mich die Sonne so konte verletzen Daß ich an schönheit verlohren den Preiß Doch hab’ ich der Wache Vergessen ich Schwache

und übel versehn; Ich muste mich schmiegen Durch großes Anliegen Durch viel verhindernüß ist es geschehn.

Sage mier Schönster wo soll ich dich finden? Sage wo weidestu heute mein Licht? Welchen begrüneten Wiesen und Gründen Gönnestu Schönster dein Lieblich gesicht?

Wo pflegstn zu schlaaffen? Wo schlägstu den Schaaffen Die Hürden nur hin? Damit ich nicht müsse

Durch Wiesen und Flüsse Jrren und lauffen mit traurigem Sinn.

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