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1726–1777

Ode.

Justus Friedrich Wilhelm Zachariä

Freund, — ich nenne Dich so auch vor den Augen der Welt, Als Dich mein hingerissenes Herz Jm sympathetischen Zug der ersten Wallungen nannte, Die meine durchdrungene Seele gefühlt.

Denn sie kante Dich schon, da ich zuerst Dich erblickte, Als hätten wir uns seit Aeonen gesehn. Welch ein seliger Tag war nicht am Leinenstrand der, Da unsre Herzen zuerst sich vereint!

Als wir in himmlischer Luft, in einem ländlichen Gar- Die göttliche Freundschaft auf hellem Gewölk Lächelnd über uns sahn, wie sie mit blumichten Van- Die sich gefundnen Seelen umzog.

Liebt euch zärtlich und treu! (so sprach harmonisch ihr Jhr wart längst für einander bestimmt. Ich floh vom stralenden Tand, und von dem Pöbel in Der meine holdseligen Freuden nicht schmeckt.

Bey dem mächtigen Thron gieng ich unsichtbar vor- Und schenk euch im Tempel der Musen mein Nicht vergebens winkt euch durch jenen heiligen Hain Die hohe Dichtkunst in spätere Welt.

Sie giebt euch auch nicht umsonst die hohe melodische Für jeden in glücklichem Gleichlaut gestimmt. Singt die Freundschaft darauf, das größte Geschenke Das von dem Menschen zum Engel erhebt.

Wir umarmten uns, Freund, und sahn mit fühlendem Der holden Göttin im Stralenweg nach. Der Musen und Grazien Chor schloß uns in lächelnde Die Dichtkunst gab uns gefällig die Hand.

Und sie reichte Dir, Freund, die mächtigtönende Leyer, Die noch dem Kenner in Nachwelten schallt. Ich war lauter Gefühl, als deine zaubernde Hand Die reinen silbernen Saiten durchflog.

Erstaunend sah ich, wie schnell Du Harmonien geler- Nur einem Haller und Klopstock bekant. Kaum gedachte mein Stolz des Lehrlings Töne zu hö- Und ihn bestürzte des Meisters Gesang.

Furchtsam sing ich Dir ietzt — Denn eines Pultes Und einer eroberten Locke Homer, Hat mich vielleicht nur umsonst mit hohen Tönen ent- Die unnachahmlich dem Deutschen noch sind.

Doch der Beyfall von Dir soll meine Kühnheit bede- Mit der ich zu schwindelnden Pfaden geklimmt. Blicke gütig auf mich von jenen umleuchteten Höhn, Auf die Dich die günstige Muse geführt.

Dies ist mein größester Ruhm, daß mich ein Gem- Und meinen gewagten Accorden zuhört. Meine Leyer soll nie in sanften Tönen erzittern, Daß sie von unserer Freundschaft nicht singt.

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