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1726–1777

N.A.

Justus Friedrich Wilhelm Zachariä

Erwarte nicht, verehrungswürdger Held, Du Zier der ietzigen, du Ruhm der spätsten Welt,

Der Muse schwaches Lob. Wie könnt’ es ihr gelingen, O Ferdinand, Dich würdig zu besin- gen,

Da Deine Thaten selbst ein größrer Lobspruch sind, Als alles, was der Witz der Dichter sich ersinnt.

Wofern indes den Beyfall später Zeiten Die Muse hoffen darf: so sollen ihre Saiten

Bekräftigen, wie Du ein ganzes Land, Gefesselt schon von seiner Feinde Hand, So schnell befreyt, daß schon vor Dei- nem Drohen

Vom Elbstrand an des Feindes Fah- nen flohen Bis zum erstaunten Rhein. Die klei- ne Kriegerschaar,

Die kaum bey Stade noch ein Spott des Feindes war, Schlug nun bey Creveld schon den Kern von Frankreichs Kriegern,

Und ward, geführt durch Dich, ein furchtbar Heer von Siegern. O Tag bey Minden! Du, uns ewig theurer Tag!

Wie vom Olymp ein schneller Don- nerschlag Herniederfährt: so sah in wenig Stun- den

Der Gallier von dir sich überwunden; Contades floh. Du gabst zum zwey- tenmal Die Freyheit uns durch Deinen Hel-

denstahl. Doch wie das Meer, das durch die Dämme dringet, Auf neuem Sturm auch neue Wellen

bringet; So drang aus Gallien, auf ein ge- schlagnes Heer, Ein stärkeres herzu. Welch eine Ge-

genwehr Von Dir, o Ferdinand, in Fielinghau- sens Flächen! Die Feinde konnten nicht in Deine

Schaaren brechen; Du standest Tage lang in Arbeit, Dampf und Gluth; Der Feind entfloh, und hier auch siegte

Muth. So eiltest Du von Siegen fort zu Siegen; Schienst oft dem Feind mit Deinem

Heer zu fliegen, Wenn er bedeckt im sichern Lager stand, Und auf einmal Dein Rächerschwerdt empfand.

Sprich, Grebenstein, wie er bey dir ge- stritten! Sein Heer zog fort mit festgeschloßnen Schritten;

Die Fahnen flatterten, die Feldmusik erklang, Als er den Gallier vor sich zu fliehen zwang.

Dies thatest Du mit einem schwa- chen Heere; Mit Jünglingen erhieltst Du Deutsch- lands Ehre.

So macht ein Geist wie Ferdinand, allein Sein kleines Kriegsheer groß, des Feindes Heersmacht klein.

Der Lorbeerkranz hat Deine Stirn umflochten. Doch nicht allein der Ruhm, den sich Dein Schwerdt erfochten,

Macht Dich so groß. In welchem hel- len Licht Erscheinest Du dem Menschenfreunde nicht!

Nimm, Ferdinand, das Lob, so Dir mit Recht gebühret. Wenn hat man je so edel Krieg ge- führet,

Als Du, o Held? Nicht Raubsucht, nicht Gewalt Entvölkerte das Land. Die schreckliche Gestalt

Verlohr der Krieg durch Dich. Man sah die feinern Sitten Jm Lager auch. Du herrschtest über Britten,

Und über Gallier; ein allgemeines Lob, Womit der Feind aufrichtig Dich er- hob, Drang oft zu Deinem Ohr, und die

Gefangnen giengen Ungern von Dir zurück. Von diesen Wunderdingen Soll bey der Nachwelt einst dies Lied

ein Zeuge seyn. Die Muse darf es Dir mit freyer Stirne weyhn, Denn Du siehst auch auf diese deut-

schen Lieder Mit Gütigkeit und mit Ermuntrung nieder. Sie fürchtet nicht Staub und Verges-

senheit; Dein Name schon allein giebt ihr Un- sterblichkeit.

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