Heil euch! ihr Wanderer!
Die Andacht, die den Pilgerstab
Zu dieser Reis’ euch gab,
Hat aus dem Sturm der Welt auch mich hieher begleitet.
Nicht träger Müßiggang hat zur Einsiedeley
Voll Eigenliebe mich geleitet;
Mein jüngers Leben floß nicht ungenützt vorbey;
Doch da ich meine Jugend
Dem Dienst der Welt geweiht,
So hoft ich, würde mir der Himmel es vergeben,
In dieser wilden Einsamkeit
Mein Alter ihm allein zu leben.
Bequemlichkeit und falsches Glück
Des vorgen Lebens, hilft die Gnade mir vergessen;
Sie lispelt mir wahrhafte Ruh
Jm Schatten rauschender Cypressen
Mitleidig zu.
Der Wald, der diese Höhle
Mit dunklen Zweigen überhängt,
Beschirmet meine Seele
Mit einer einsamen beständgen Nacht
Vor der Zerstreuung Macht.
Jhr steht mit mir auf Golgatha,
Hier, wo der Thaten größeste geschehen,
Die je die Welt gesehen,
Ob sie im Stillen gleich geschah;
Nicht von dem Pomp der eiteln Ehr umgeben,
Durch den die Menschen ihre Thaten heben.
Hier starb ein Gott! — ein Gott, der für uns Sün-
Ein Mensch erst ward;
Hier starb ein Mensch, der alle Menschenkinder
An Unschuld übertraf!
Und warum schweiget denn der Weltkrais, und die Lie-
Der Völker schallen nicht um dies Gebirge wieder?
Warum liegt denn die weite Christenheit
In träger Unempfindlichkeit begraben?
Will sie zu ihrer Dankbarkeit
Mehr, als das größeste von allen Wundern haben?