Justus Friedrich Wilhelm Zachariä
Herr! GOtt und Vater deiner Kinder! Vergißt du, Schöpfer, deiner Welt? Ist niemand, welcher für uns Sünder Dir, Richter, in das Rachschwerdt fällt?
Noch sendest du zum Blutvergiessen Den Todesengel vor dir her; Und unter des Erwürgers Füssen Liegt alles wüst, entstellt, und leer.
Schau doch mit Einem Blick der Gnaden Auf die zerstörte Welt herab! Und sieh, wie ganze Myriaden, Das Schwerdt frißt, und das weite Grab.
Sieh, wie die Fluren öde liegen; Wie ohne Trost der Landmann steht, Der unter seiner Herrscher Siegen Jm Mangel schmachtet und vergeht.
Leer, und mit Thränenvollen Blicken, Verläßt er sein geplündert Haus; Es lodert hinter seinem Rücken, Sinkt, und zerfällt in Schutt und Graus.
Und seine schwachen Kinder weinen An seiner Hand umsonst um Brod; Und jeder Seufzer von den Seinen Ist für sein Herz langsamer Tod.
Von seinem Reichthum, aller Haabe, Bleibt ihm zur Hülle kein Gewand. So schleppt er sich am Pilgerstabe Fern in ein unbekanntes Land.
Rund um umgeben von Gefahren, Entrinnt er so aus Mord und Brand; Und ferner Völker Kriegesschaaren Bedecken seiner Flüsse Strand.
Die Elbe wälzt zum Oceane Die Fluth, durch Leichen aufgeschwellt. Und an der Oder winkt die Fahne Zu wilden Schlachten in das Feld.
Die Spree sieht ihrer Kinder Zagen, Sieht ihrer Freuden sich beraubt; Und bey der Unterdrückten Klagen Verbirgt der Weserstrom sein Haupt.
Wohin man blickt, sieht man Verheeren; Die Städte wüst, das Land in Blut; Und über beyde Hemisphären Verbreitet sich des Krieges Wuth.
O sieh darein! Erbarmer, Retter! Du wirst dich uns nicht ganz entziehn; Wirst nicht, verhüllt in Nacht und Wetter, Stets wider uns zur Rache ziehn.
Ruf ab das Schwerdt vom Feld der Todten, Das uns zum Fluch geschärfet ward! Und sende deinen Friedensboten Dem Erdkreis, welcher auf ihn harrt!
Vernimm das Flehen frommer Bether! Du lenkst der Fürsten Herz allein; Lenk es zum Frieden! Laß sie Väter, Und Menschen wieder Menschen seyn!
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