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1726–1777

Die Schöpfung der Hölle.

Justus Friedrich Wilhelm Zachariä

Und Gott sah sie die Hölle, mit allen ihren Be- Seiner Absicht gemäß, und zu dem strafenden Endzweck Groß und vollkommen. Es war bisher ein stralender Von dem himmlischen Tag durchs Chaos gedrungen;

Hatte bisher noch den Ausfluß des hellen Glanzes ge- Der ietzt zum drittenmal schien; indem er leuchtete, Scheine zum letztenmal, Licht! Es werde Nacht! Siebenfältig senkte sie sich wie Lasten herunter,

Düster und fühlbar; der flammende Blitz zerriß sie oft Und sein flüchtiger Stral, und blasse schweflichte Flam- Machten sie sichtbarer noch. — Der Sohn der All- Zu sich die Engel des Todes, und sprach mit gebieten-

Seht! Dies ist die traurige Welt des ewigen Todes, Euer sey ihre Bewachung! und über sie sprechet den Denn, ich hab’ im Zorn sie verflucht, ihr Name sey Also sprach des Allmächtigen Sohn. Die Engel

Lagern sich, in mächtgen Geschwadern, am Eingang der Um die Pforten herum, die an dem äussersten Pole Jenseits der fernsten Grenzen des Chaos die Allmacht Und Obaddon, der furchtbare Führer der Engel des Todes,

Schwang sich hoch auf rauschenden Flügeln über die Hielt in der Rechten das flammende Schwerdt, gleich Und rief laut: Bey dem, der gerecht ist, und allen Wider seinen Gesalbten der Finsterniß Ketten bereitet,

Bey dem Allmächtgen fluch ich dir, Hölle! Verflucht Jmmer müsse der Sturm in heulenden Lüften sich wäl- Und der lauteste Schall der Donner die Wolken zerreissen! Niemals strale durch dein Gewölbe der Schimmer des

Grausende, schreckliche, ewige Nacht verhüll es auf Beym Allmächtgen fluch ich dir, Hölle! Verflucht sey Jhn besuche kein Lenz; und keine Schönheit und An- Schmücke dein trauriges Land! Dein Meer sey immer

Und dein Erdreich brenne beständig von siedendem Dein Gebirge rauche von Gluth; die Ebne zerspalte Von dem Feuer des Herrn; und Winseln und Aechzen Schall’ in deinen Thälern des Todes, und an den Ge-

Deiner bellenden Seen, und deiner stürmischen Flüsse! Beym Allmächtgen fluch ich dir, Hölle! Verflucht sey Alles dessen, was in dir lebt! Verflucht sey der Fußtritt Jedes Geschöpfs, das wandelt in dir, in Feuer und Asche

Geh es einher! sein Athem sey Pest. Weh! weh Stirbt den ewigen Tod! Hier spreite die schwarze Ueber den Sünder, die gräßlichen Schwingen; und schreck’ Und zerreiß’ ihn, doch ohn’ ihn zu tödten; nie komme

Nicht die schwächeste komme, zu ihm, die wildeste Stechende Pein nur, und durstende Angst nur, und Peinige, foltre, schmettre den nieder, der, Gott, dich Feyerlich hatte den Fluch der Todesengel gesprochen,

Und so ward die Hölle vollbracht. Gott hielt sie nicht Sondern stieß sie hinab zur Finsterniß; krachend betrat sie Jhre Laufbahn, schwankend und wild, und ohne Gesetze. Von ihr wandte der Schöpfer sich ab, und stieg auf den

Und, nachdem er die Chöre der Geister dicht um sich Sprach er: Jhr Söhne des Lichts! Jhr, die kein Wider Gott zu empören vermocht! ihr, welche mein So im Guten bestätigt, daß keine Macht, noch Ver-

Euch von Wege der Tugend wird leiten; ihr heiligen Ehret die Rache des Herrn, und sagt von Himmel zu Seiner Gerechtigkeit Lob, und seines Zornes Verwü- Dieses Gefängniß strecket bereits der Finsterniß Ketten

Jenen Verruchten entgegen, die in den Feldern des Wider eure Gefährten gelagert, mit höllischen Waffen Unsre Legionen geschreckt. Doch lange soll nicht mehr Krieg den Himmel entstellen, so sehr sie zu siegen sich

Todesengel! wenn ietzo die Tiefe des untersten Chaos Von dem verfolgenden Donner erschallt; wenn bald Mit entsetzlichem Fall, Myriaden Geister sich stürzen; Wenn ihr nunmehr den Kriegsklang vernehmt der ho-

Und das Drommeten der Engel, das über die Grenzen Siegreich ertönt: dann rückt herzu, in geschlossenen Um die verriegelten Thore der Hölle. So schrecklich Dieser Verworfnen gewesen, so wird die Zeit sich doch

Daß sie von ihrem Fall sich erhohlen, noch größre Ver- Ueber sich häufen, noch grössere Strafen dadurch sich Satan, ihr Führer, wird listig sich einst der Stärke Sich entreissen, ja selbst die offenste Wachsamkeit täu-

Also hat es mein Vater beschlossen, und fordert von Was er zuläßt, den grossen Betrüger zu Schanden zu Aber ihr sollt die Pforten allhier stets wachsam umrin- Daß die Hölle nicht einst von neuem zusammen sich rotte,

Mit versammelter Macht die künftige Schöpfung zu Zwar dem Empörer gelingt es zu sehr, Geschöpfe von Wider Gott zu verführen; doch diese schwärzeste That Auf sein Haupt die schrecklichste Strafe. Mit allen

Will ich ihn einst im Abgrund mit Ketten von Demant Binden, daß Zeit und Gewalt nie wieder die Fesseln Jetzo folget mir nach, ihr Helden und Krieger des Thronen, Fürsten und Mächte! seyd Zeugen der gros-

Gottes Gerichts über Satan! So sprach er. Jm Sein krystallner Wagen zurück durch das wallende Chaos, Und im hohen Triumph betrat er die Felder des Himmels. Hier, du weißt es, fand er sein Heer im muthgen Gefechte

Wider Satan; wir jauchzten dem Wagen des kom- Jubel entgegen, und stiessen mit unsern geschlossenen Zu der Standarte des grossen Meßias. Die Feinde Trieb er bald, mit allmächtigem Donner, zum Rande des

Und von da zum Abgrund hinab; mit schrecklichem Stürzten sie nieder zur untersten Hölle; die Flamme Brannte fürchterlich nach bis in den Pfuhl des Ver- Also beschloß, der Gesandte des Himmels, die dunk-

Von der Erschaffung der Hölle. Jhn hatte der Erste Mit Entzücken und Grausen gehört, und grosse Gedanken In sich versammelt. Jetzt sprach er zu ihm mit dankba- Liebling des Himmels, wie hat dein Bericht die küh-

Uebertroffen! Mit kaltem Entsetzen erblick ich noch ietzo Vor mir den flammenden Schlund. Doch hab ich die Recht vernommen; so ist dies Gefängniß für Engel al- Sondern auch noch für andre Geschöpfe von Staube

O wie vergällt dies die Freude, die meine Seele da- Wenn ich so viel unzehlbare Sonnen, Planeten und Alle vielleicht mit Bewohnern mir denke, die alle sich Vor dem Thron des Allmächtigen beugen, und reine

Zu dem Himmel ihm senden; wie? sollten dann sei- Die er so gütig erschuf, mit solcher Unschuld gekleidet, Jhren Schöpfer so sehr, und ihre Pflichten verkennen, Und zu solchen Strafen ihn reitzen? — Der Engel

Des Allmächtigen Sohn hat zwar die verborgnen Seines Vaters nicht ganz uns enthüllt: Doch wurde Nicht umsonst unermeßlich erschaffen; die weiten Bezirke Warten auf Myriaden verdammter Engel und Seelen.

Ach! und möchten doch nicht die künftgen Bewohner Satans listgen Verführungen folgen! Wie fürcht ich Daß sie es sind, die Menschen vom Staube, die ihre Ins Verderben gestürzt! — Die Welt des ewigen Todes,

Die ich vor deinen Augen enthüllt, hat deine Gedanken Mit Entsetzen und Grausen getroffen; doch schreckli- Muß sie sich zeigen vor ihm, der mit dem kühneren Geiste Jetzt in ihre Grenzen sich schwingt, ietzt, da sie bewohnt ist

Von Verdammten, wo jeder in sich die Hölle verbirget. Als das Satanische Heer herunter zum Abgrund sich Sah ich auf ihrer Flucht sie verfolgt von der schwarzen Und von jedem wilden Affekt, der nie sonst geherrschet

In unsterblichen Geistern. Der Stolz, der Neid, Mit dem Schlangenhaar, Rachsucht, und Wut, und der Stürzten sich hinter ihnen einher, und haben auf ewig Jhre Wohnung bey ihnen genommen. Auch flog

Mit zur Hölle hinab. Da hat es in donnernden Wolken Seinen Thron sich gesetzt; die laute mächtige Stimme Tönt durch den Abgrund; kein Muth kan sich wafnen, Wenn es spricht, denn es spricht allmächtig; bald stark,

Und bald lispelnd, wie heimliche Stimmen; kein schnel- Und kein Flügel des Cherubs entflieht ihm; der schwar- Lästert wider den Himmel, sich selbst, und seine Gefährten, Leidet unendlich, verfluchet sich selber, verdammet sich

Dieses, o Adam, ist Hölle! — Doch laß uns die Wieder entziehn von Scenen des ewigen Jammers! Deinen ietzigen Stand der Unschuld! verharr’ im Ge- Und laß keine Versuchung, so stark sie auch sey, dich

Eine Nachwelt von dir in ewige Quaalen zu stürzen. Raphael schwieg. Durch Adams Herz lief kal- Jhm, von schwarzer Ahndung bewegt, rann über die Plötzlich ein Strom von Thränen herab: doch faßt er

Bey sich den festen Entschluß, des Schöpfers Gebote zu

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