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1726–1777

Die Linde .

Justus Friedrich Wilhelm Zachariä

Du majestätsche Linde, Worunter oft Lucinde Mit ruhigem Gemüth Der Nacht entgegen sieht;

O schütte von den Aesten, Bewegt von sanften Westen, Der Blüthen süßen Duft In die gekühlte Luft.

Die einsame Lucinde Genießt dich nur, o Linde, Und kömmt, als Nachbarin, In deinen Schatten hin.

Von Blüthen überdecket Hast du ihr Herz erwecket; Wie oft hat deine Pracht Sie nicht entzückt gemacht!

So bald die ersten Stralen Die wilden Hügel malen, Grüßt dich der Vögel Ton, Und auch Lucinde schon.

Und wenn, mit trägen Rossen, Der Ackersmann verdrossen Nach seinen Hütten zieht, Grüßt dich ihr muntres Lied.

O blühe für Lucinden! Jhr Herz nur kan empfinden, Durch wessen starke Macht Dein Haupt in Wolken lacht.

Mehr kan ein Kleist nicht fühlen, Wenn er, am Bach im Kühlen, Auf Thomsons Laute spielt, Als hier Lucinde fühlt.

Es schleicht mit stillen Schritten Der Abend um die Hütten, Der hohe Wald wird grau, Und Wiesen tränkt der Thau;

O schicke durch die Lüfte Viel tausend süße Düfte, Zum Anwunsch sanfter Ruh, Lucindens Fenster zu!

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