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1726–1777

Das schlafende Mädchen.

Justus Friedrich Wilhelm Zachariä

Die Göttin süßer Freuden, Die Nacht, stieg aus dem Meer, Und sanfter Liebe Leiden Sang keine Flöte mehr;

Der Mond mit blassem Scheine Versilberte die stillen Haine. Da führte mich die Liebe Zu meinem Mädchen hin.

Ich fand ihr Aug oft trübe Aus Lieb und Eigensinn; Und niemals durft ichs wagen, Jhr was von Küssen vorzusagen.

Nachläßig hingelehnet, Schlief sie ietzt am Clavier. Zur Ehrfurcht sters gewöhnet, Naht ich mich nicht zu ihr;

Doch weckten ihre Wangen Mein ganzes zärtliches Verlangen. Wenn Weste sich liebkosen, Lacht so nicht ihr Gesicht;

Und so schön schläft auf Rosen Die Blumengöttin nicht. In ihren sanften Mienen War nie der Himmel mehr erschienen.

Kanst du sie ietzt nicht küssen, So küssest du sie nie! So wollt ich mich entschliessen — Ach! da erwachte sie!

Nichts konte mehr mich strafen! Sie wird so schön nicht wieder schlafen!

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