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1726–1777

An Selinen .

Justus Friedrich Wilhelm Zachariä

Was ist der Muse Pflicht an diesem festlichen Tage, Der deinen holden Namen führt; Als daß sie ihn für sich in stiller Einsamkeit feyret, Und ihm die Winterblumen weiht.

Du, Knabe, nimm zur Hand die lockenschaffenden Ei- Und kräusle mir mein braunes Haar! Verschwende deine Kunst in sanfterduftenden Locken Von Puder und von Rosenöl!

Ich will geputzter seyn, als ein besiegender Jüngling, Auf den sein weißes Mädchen hoft; Den Pracht und Jugend schmückt, und dem Verlangen Die aufgeblühten Wangen färbt.

Der schönste Weihranch soll mein heitres Zimmer durch- Daß Gram und schwere Dünste fliehn. Und der geschmückte Tisch, mit indischem Thone bede- Soll unter meinem Spiegel stehn.

Auf dem will ich dies Lied zu einem Opfer dir bringen, Nebst einem bunten Blumenstrauß; Und für ein besseres Glück schick ich die treuesten Wün- Zu dem versöhneten Olymp.

Auch soll mein Saitenspiel in seinen sanftesten Tönen Zum allzuharten Schicksal flehn. Sang eine Leyer doch ein Mädchen aus dem Gebiete Des fabelhaften Höllengotts.

Erhöre meinen Wunsch, o unerbittliches Schicksal, Da dieser Wunsch nicht eitel ist! Laß mich Selinens Haar mit Wintergrüne bekränzen, Wenn dieser Tag mir wieder lacht.

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