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1726–1777

Allgemeines Gebeth.

Justus Friedrich Wilhelm Zachariä

Allmächtiger, der seinen Thron In Himmeln hoch erhöhet; O höre mich, der Erde Sohn, Der dir im Staube flehet!

Du schufst mich Staub, und ließest Staub Zum Engel sich erheben; Hier unten der Verwesung Raub, Um ewig dort zu leben.

Ein denkend Thier! Wie arm, wie bloß, Ist es, der Herr der Erden! Ein denkend Thier! Wie frey, wie groß, Unsterblich soll es werden!

Welch ein Geschenk gabst du mir nicht, Da du Vernunft mir schenktest, Und der Erkenntniß göttlichs Licht In meine Seele senktest!

Verleih mir doch die Wissenschaft, Mein ewges Glück zu finden; Und gieb mir Willen, Muth, und Kraft, Mich selbst zu überwinden.

Lehr mich, was mein Gewissen sagt, Dem Himmel vorzuziehen! Und laß mich, was es untersagt, Mehr als die Hölle fliehen.

Mach fühlend dieses harte Herz, Wenn meine Brüder leiden; Und laß an meines Haßers Schmerz Sich nie mein Auge weiden.

Laß mich nie mit verwegner Hand Nach deinem Donner trachten; Noch jeden, der dich nicht erkannt Der Hölle würdig achten.

Jm Glücke Furcht, im Unglück Muth Sey alles, was ich flehe. Was du, mein Schöpfer willst, ist gut, Und was du willst, geschehe!

Laß mich mein Brodt durch deine Gunst Nicht ohne Müh erwerben. Und lehre mich die große Kunst Zu leben, und zu sterben.

O du, vor dem der Seraph kniet, Den Cherubim umringen, Von allen Sternen schallt das Lied, So deine Heilgen singen.

Ich beuge, Herr, vor dir mein Knie; Du hast den Staub erhoben! Heil mir! ich bin ein Geist, wie sie, Der Mensch darf, Herr, dich loben!

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