Es hat der Leute viel verdroßen, Denen diese Märe war verschloßen; Die konnte Mancher nie erfahren. Nun will ich das nicht länger sparen,
Ich thu euch kund die rechte Sage Da ich ihn im Munde trage, Den Schlußstein dieser Abenteuer, Wie der süße Held geheuer
Anfortas wieder ward gesund. Uns thut die Aventüre kund, Wie von Pelrapär die Königin Den keuschen weiblichen Sinn
Behielt bis ihr zum Lohne Ward die höchste Erdenkrone. Die soll ihr Parzival erwerben, Mir müste denn die Kunst verderben.
Noch scharfen Kampfs erst muß er pflegen: Was er bisher gekämpft, hiergegen Hieß Alles nur mit Kindern streiten. Dürft ich diesen Kampf beseiten,
Meinen Helden wollt ich ungern wagen; Ich würd ihn willig ledig sagen. Seinem Herzen will ich denn befehlen Sein Glück, so kann es ihm nicht fehlen!
Da ist Milde bei Verwogenheit. Niemals zagt' es ihm im Streit: Das mög ihm Stärke geben, Daß er behält das Leben.
Denn nun kommt es an die Zeit, Ihn besteht ein Fürst ob allem Streit Auf seiner unverzagten Reise. Dieser Höfische und Weise
War ein heidnischer Mann, Der die Taufe nie gewann. Parzival ritt balde Vor einem großen Walde
Auf wüst gelichteten Wegen Einem reichen Gast entgegen. Ein Wunder, wenn ich armer Mann Den Reichthum euch vermelden kann,
Den der Heid an seiner Rüstung trug. Sag ich davon mehr als genug, Doch muß ich mehr davon erzählen, Will ich das Meiste nicht verhehlen.
Wie großen Zins Artusens Hand Bretagne zollt und Engelland, Damit bezahlt' er nicht die Steine, Die der Held mit lichtem Scheine
Auf seinem Wappenkleide trug. Köstlich war er, sonder Trug. Rubinen, Chalcedonen Mochte der Blick gewohnen:
Der Wappenrock gab lichten Schein. Im Berge zu Agremontein Hatten ihn Salamander Gewirkt miteinander
In des heißen Feuers Brand. Edelsteine bis zum Rand Lagen dunkel drauf und licht: Ihre Art benennen kann ich nicht.
Auf Minne stand des Helden Sinn Und auf hohen Ruhms Gewinn. Das Meiste hat ihm auch ein Weib Geschenkt, womit des Heiden Leib
Sich so köstlich hat geschmückt. Daß ihn der Minne Gunst beglückt Das lieh ihm Kraft und hohen Muth, Wie stäts sie Liebenden thut.
Auch trug er als des Preises Lohn Auf dem Helmschmuck ein Ecidemon. Alle giftigen Schlangen Sieht man vor dem Thierlein bangen:
Ihr Leben muß versiechen Wenn sie's von Weitem riechen. Thopedissimonte Und Assigarzionte,
Thasme und Arabia Entbehren Pfellel, wie man sah An seines Pferdes Decke. Der ungetaufte Recke
Warb um den Lohn der Frauen, Drum war er schmuck zu schauen. Sein hoher Sinn wars, der ihn zwang, Daß er nach edler Minne rang.
Der kühne Knabe, den wir trafen, Hatt in einem wilden Hafen Bei dem Wald geankert auf dem Meere. Er hatte fünfundzwanzig Heere,
Keins kann das andere verstehn: Wie weit muß seine Herschaft gehn! So groß auch ist der Länder Zahl, Die ihm dienen allzumal;
Mohren, Sarazenen meist, Deren Haut in manchen Farben gleisst. In seinem weitgesammelten Heer Sah man viel wunderliche Wehr.
Allein auf Abenteur hindann Von seinem Heer ritt dieser Mann, Im grünen Wald sich umzuschaun. Da sie sich selber so vertraun,
Laß ich die Könge reiten, Sich Preis allein erstreiten. Zwar Parzival ritt nicht allein, Denn ihm waren im Verein
Er selbst und auch sein hoher Muth, Der seine Wehr so mannlich thut, Daß es die Frauen müssen loben, Sie wollten freveln denn und toben.
Hier rennen auf einander blind, Die an Demuth Lämmer sind Und Löwen an Verwogenheit. O weh, die Erd ist doch so breit,
Daß sie sich wohl vermeiden mochten, Die hier ohne Feindschaft fochten. Für meinen Helden muß ich bangen; Doch ist ein Trost mir aufgegangen:
Ihm wird des Grales Kraft wohl nützen; So sollt ihn auch die Minne schützen: Den beiden war er dienstergeben Ohne Wank mit dienstlichem Bestreben.
Meine Kunst verleiht mir nicht den Sinn, Daß ich diesen Kampf von Anbeginn Recht zu beschreiben tauge. Ein Schimmer fiel in Beider Auge,
Daß es den Andern kommen sah. Wie lieb Jedwedem dran geschah, Nicht fern ist doch das Leid fürwahr Den Lautern, aller Trübe bar:
Sie hatten Herz und Blut gemein; Sie sind sich kund, wie fremd sie sei'n! Nun kann ich diesen Heiden Von dem Getauften nicht mehr scheiden;
Die Zwei erweisen sich nun Haß. Ihnen Freude neigen sollte das, Die zu guter Frauen Zahl gehören, Denn ihren Fraun geschahs zu Ehren,
Daß die Brust dem Feind Jedweder bot. Schied' es das Glück nur ohne Tod! Todt wird der Leu zur Welt gebracht, Der von des Vaters Ruf erwacht.
So leben Die vom Schäftekrachen, Die in der Tjost zum Preis erwachen. Sie können wohl sich Tjost gewähren, Einen Wald verthun von Speren.
Den Zügel kürzend mit Bedacht Rennen sie und haben Acht, Indem sie tiostieren, Das Ziel nicht zu verlieren.
Da ward genau gemeßen, Da wurde fest geseßen, Alles wohl zur Tjost geschickt, Die Rosse mit dem Sporn gezwickt.
Diese Tjost ward so geritten, Daß sie die Koller sich verschnitten Mit starkem Sper, der sich nicht bog, Und mancher Splitter aufwärts flog.
Der Heide war verdrießlich daß Ihm Jener noch im Sattel saß: Ihm war noch Keiner fest geseßen, Mit dem er sich im Kampf gemeßen.
Ob sie nicht Schwerter schwenkten, Als sie zusammen sprengten? Ja doch, mit Klingen scharf und breit. Ihre Kunst und Mannheit
Mögen sie erweisen hier. Ecidemon dem Thier Wurden Wunden viel geschlagen; Der Helm darunter must es klagen.
Den Rossen ward vor Müde heiß: Sie versuchten manchen neuen Kreiß, Bis sie vom Ross nun springen; Da sausten erst die Klingen.
Dem Getauften thät der Heide weh. Sein Feldgeschrei war Thasme: Und wenn er ausrief Thabronit, So that er vorwärts einen Schritt.
Hier zeigt auch wie er wehrhaft ist Bei manchem Ausfall der Christ, Den sie aufeinander thaten. Man sah den Kampf so gerathen,
Ich kann mirs nicht versagen, Schmerzlich muß ich's beklagen, Daß Ein Fleisch und Ein Blut Sich so viel zu Leide thut,
Die man als Geschwister kennt, Lautrer Treue Fundament. Dem Heiden gab die Minne Im Kampfe Kraft und Sinne.
Er rang nach Preis um Ihretwillen, Der Königin Sekundillen, Die das Land Tribalibot Ihm gab: sie war sein Schild in Noth.
Der Heide nahm an Kräften zu: Was wollt ihr, daß der Christ nun thu? Auf Minne richt er die Gedanken: Die läßt im Kampf ihn nimmer wanken.
Sonst muß ein bittres Sterben Ihm des Heiden Kampf erwerben. Du hehrer Gral, das wende Du, Kondwiramur, das gieb nicht zu:
Hier seht ihr euern Dienstmann In der größten Noth, die er je gewann. Hoch wirft der Heid empor das Schwert, Seiner Schläge Mancher niederfährt:
Schon sinkt ihm Parzival aufs Knie. Man sagt mit Recht, so stritten sie, Wenn man als Zwei sie will betrachten, Die doch für Eins nur sind zu achten.
Ich und mein Bruder sind Ein Leib Wie guter Mann und gutes Weib. Dem Getauften thät der Heide weh. Sein Schild bestand aus Aspinde,
Asbest, das weder fault noch brennt. Daß sich seine Freundin nennt, Die den ihm gab, das glaubt gewiss. Chrysoprass und Türkiss,
Smaragd und Rubin, Und noch von andern Farben schien Manch edler köstlicher Stein Um die Buckel rings in lichten Reihn.
Auf dem Buckelhause stund Ein Stein, sein Nam ist mir wohl kund: Antrax ward er dort genannt, Als Karfunkel hier bekannt.
Ihm hatt als Minneschutz und Zier Ecidemon das reine Thier Zum Wappenbild ein Weib gegeben, In deren Gnad er wollte leben,
Die Köngin Sekundille: Dieß Wappen war ihr Wille. Hier stritt der Treue Lauterkeit: Große Treue focht mit Treue Streit.
Um Minne haben sie ihr Leben An des Kampfs Entscheidung hingegeben, Der ihnen Gottes Urtheil ist. Wohl vertraute Gott der Christ,
Seit er bei Trevrezent verweilt, Der ihm so herzlich Rath ertheilt, Er soll' auf dessen Hülfe denken, Der in Sorgen Freude möge schenken.
Stark war der Heide, der hier stritt: Wenn er ausrief Thabronit, Wo die Köngin Sekundille saß Vor dem Berge Kaukasas,
So ward sein hoher Muth erneut Wider den, der nie bis heut Erlegen war vor Feindeshieben; Unsieg war ihm fremd geblieben.
Er hatt ihn nie empfangen, Und ließ ihn Manchen doch erlangen. Die Arme schwangen sich mit Kunst, Aus den Helmen lohte Brunst,
Von ihren Schwertern fuhr der Wind. Gott schütze Gahmuretens Kind! Der Wunsch gilt ihnen beiden, Dem Getauften und dem Heiden:
Denn ich rechne sie für Einen. Sie würdens selber meinen, Wären sie sich recht bekannt: Sie setzten nicht so viel zu Pfand,
Denn nicht minder gilt ihr Streit Als Ehre, Freude, Seligkeit. Wer auch hier den Preis gewinnt, Doch hat er, wenn er Treue minnt,
Die Freude dieser Welt verloren Und dauernd Herzeleid erkoren. Warum säumst du, Parzival, Daß du an dein schön Gemahl
Nicht denkst, die dir so treu ergeben, So du behalten willst dein Leben? Dem Heiden sind zwei Dinge nütze, Die waren seine stärkste Stütze:
Erstlich, daß er Minne pflegt, Die sein Herz mit Stäte hegt; Zum andern führt' er Steine Edler Art mit lichtem Scheine,
Die seine Stärke mehrten, Ihn Hochgemüthe lehrten. Mir ist leid, daß der Getaufte Sich Müde schon im Streit erkaufte:
Seinen Schlägen ist die Kraft benommen. Wenn ihm nun nicht zu Hülfe kommen Kondwiramur noch der Gral, Wehrlicher Parzival,
So laß den Wunsch dich laben, Daß die klaren süßen Knaben Nicht so früh verwaiset sei'n, Kardeiß und Loherangrein,
Die sein Gemahl empfangen hatte In der Nacht, da von ihr schied der Gatte. Kinder, keuscher Eh entblüht, Wohl laben die des Manns Gemüth.
Neue Kraft gewann der Christ. Er dachte (noch zu rechter Frist) An die Köngin sein Gemahl, Wie er ihre Minne dazumal
Sich im Schwerterspiel errang, Als von Schlägen Feuer aus Helmen sprang Vor Pelrapär mit Klamide. Thabronit und Thasme,
Denen war ein Gegenruf ersonnen: Nun hat es Parzival begonnen Mit dem Feldruf Pelrapär. Ueber vier Königreiche her
Kommt Kondwiramur, dem Degen Der Minne Kräfte beizulegen. Wohl sprangen da, ich wähne, Von des Heiden Schilde Späne
Mehr als hundert Marken werth. Von Gahevieß das starke Schwert Brach auf des Heiden Helm ein Schlag, Daß vor ihm auf den Knieen lag
Der reiche kühne Gast ermattet. Gott hatt es länger nicht gestattet, Daß Parzival das Schwert noch führte, Das ihm zu rauben nicht gebührte:
Itheren, der es vor ihm trug, Nahm ers aus Einfalt, wider Fug. Den nie zuvor ein Schwert gefällt, Schnell auf die Füße sprang der Held.
Noch ist ihr Zweikampf unzergangen: Ihr Urtheil sollen sie empfangen Noch von des Allerhöchsten Händen: Möge Der ihr Sterben wenden!
Der kühne Fürst der Heiden Sprach da bescheiden Auf französisch, das er wohl verstund, Aus seinem heidnischen Mund:
„Wohl seh ich, wehrlicher Mann, Dein Streit würd ohne Schwert gethan: Wie erwürb ich dann wohl Preis an dir? Stehe still und sage mir
Wer du seist, wehrlicher Held. Fürwahr, du hättest mich gefällt Und mir den alten Preis entrungen, Wär dir nicht dein Schwert zersprungen.
Ein Friede gelt uns beiden nun, Daß wir uns die Glieder ruhn.“ Sie setzten nieder sich aufs Gras. Jedweder Kraft und Zucht besaß,
Die auch zum Kampf nicht waren Zu jung, zu alt an Jahren. Zum Getauften sprach der Heide da: „Glaube, werther Held, ich sah
Nie im Leben, daß ein Mann Würdger war, dem Preis zu nahn, Den man im Streite soll erjagen. Held, nun geruhe mir zu sagen
Deinen Namen, dein Geschlecht: So freut mich meine Fahrt erst recht.“ Herzeleidens Sohn versetzt: „Nennt' ich die aus Furcht dir jetzt?
Das darfst du nicht von mir begehren: Gezwungen werd ich nichts gewähren.“ Doch von Thasme sprach der Heide: „Ich will zuerst dir nennen beide;
Sei immerhin die Schande mein. Ich bin Feirefiss Anschewein Und wohl so reich, daß meiner Hand Zinsbar dienet manches Land.“
Als diese Rede geschah, Zu dem Heiden sprach der Waleis da: „Woher seid ihr ein Anschewein? Anschau heißt das Erbe mein,
Mit Burgen, Land und Städten. Darum seid, Herr, gebeten, Andern Namen zu erküren. Sollt ich mein Land verlieren
Und die werthe Stadt Bealzenan, Das hieße mir Gewalt gethan. Ist Einer hier ein Anschewein, Von Geburt soll Ich es sein.
Doch ward mir für gewiss gesagt, Es wohn ein Degen unverzagt Fern dort in der Heidenschaft, Der stäts mit ritterlicher Kraft
Gewonnen habe Preis und Minne Und allewege noch gewinne. Der ist zum Bruder mir geboren Und dort zum höchsten Preis erkoren.“
Parzival fährt fort und spricht: „Herr, euer Angesicht Ließt ihr mich das erschauen, So wollt ich euch vertrauen
Wie mir seins beschrieben ist. Wenn es, Herr, euch nicht verdrießt, So entblößet euer Haupt. Euch verschont derweil, das glaubt,
Meine Hand mit allem Streit, Bis ihr aufs Neu gehelmet seid.“ Da sprach der heidnische Mann: „Wenig ficht dein Streit mich an.
Und wär ich nackt, ich hab ein Schwert: Der Unsieg wär dir doch gewährt, Da Dein Schwert zerbrochen ist. Weder Kühnheit, Kunst noch List
Kann dich vor dem Tod bewahren, Will ich nicht selbst dein Leben sparen. Wolltest du mit mir ringen, Mein Schwert ließ' ich klingen
Dir durch Eisen, Bein und Mark.“ Dieser Heide schnell und stark, Edle Sitte zeigt' er hier: „Dieß Schwert sei weder Dir noch Mir.“
Der kühne Degen warfs alsbald Ferne von sich in den Wald. Er sprach: „Nun ist auf beiden Seiten Gleich die Gefahr, wenn wir noch streiten.“
Der reiche Feirefiss begann: „Held, bei deiner Zucht, sag an, Da dir ein Bruder leben soll, Wie sieht der aus? du weist es wohl.
Beschreibe mir sein Angesicht; Seine Farbe hehlte man dir nicht.“ Da sprach Den Herzeleid gebar: „Wie beschrieben Pergament fürwahr,
Schwarz und weiß dort und hier; Ekuba beschrieb ihn mir.“ „Der bin Ich,“ versetzt der Heide. Nicht lange säumten sie da beide,
Feirefiss und Parzival, Von Helm und Härsenier zumal Entblößten sie sich gleich zur Stund. Parzival fand lieben Fund,
Den liebsten, den er jemals fand. Den Heiden hatt er bald erkannt: Sein Antlitz zeigte Elsternfarben. Haß und Groll im Kuss erstarben
Dem Getauften und dem Heiden. Freundschaft ziemt' auch beßer Beiden Denn ihnen stünde Haß und Neid. Treu und Liebe schied den Streit.
Mit Freuden sprach der Heide da: „O wohl mir, daß ich dich ersah, Sohn Gahmurets, des werthen Degen! Dank meinen Göttern allerwegen!
Meiner Göttin Juno Preis und Dank, Sie fügt' es so! Mein starker Gott Jupiter, Von Ihm kommt dieses Heil mir her.
Götter all und Göttinnen, Eure Stärke will ich immer minnen! Hochgepriesen sei der Stern, Bei dessen Schein hieher so fern
Meine Reise ward gethan Zu dir, du schrecklich süßer Mann, Die mich durch deine Kraft gereute. Heil der Luft, dem Thau, der heute
Niederfiel und kühlte mich! Minneschlüßel wonniglich! Dem Weibe Wohl, die dich soll sehn: Wie ist Der schon ein Heil geschehn!“
„Ihr sprechet wohl: ohn allen Haß Spräch ich gern beßer, könnt ich das. Doch bin ich leider nicht so weis, Daß ich eurer Würde Preis
Mit Worten noch erhöhen könnte: Gott weiß, wie gern ichs euch vergönnte! Was Herz und Auge nur vermag, Sie sprechen euerm Preise nach:
Eur Preis spricht vor, nach sprechen sie. Von Rittershand geschah mir nie So große Noth, gar wohl ichs weiß, Als von euch,“ sprach Der von Kanvoleiß.
Der reiche Feirefiss sprach mehr: „Fleiß und Kunst hat Jupiter Werther Held, verwandt auf dich. Nicht länger ihrzen sollt ihr mich:
Hatten wir doch Einen Vater.“ Mit brüderlicher Treue bat er, Daß er Ihrzens ihn erließe, Von nun an Du ihn hieße.
Die Rede war dem Waleis leid: Bruder, eure Herrlichkeit Vergliche Der des Baruchs sich; Aelter seid ihr auch als ich.
Meine Jugend, meine Armut sei Solcher Untugend frei, Daß ich Du zu euch spräche, Und mich so der Zucht entbräche.
Der von Tribalibot, Jupiter seinem Gott Gab er mit Worten manchen Preis Hoch pries er auch in mancher Wei
Seine Göttin Juno, Daß sie das Wetter fügten so, Daß Er und sein gewaltig Heer Sich zu Lande fanden von dem Meer
Und Grund am Ufer nahmen, Wo sie zusammen kamen. Sie setzten nieder sich aufs Gras, Wo Jedweder nicht vergaß,
Er bot dem Andern Ehre. Der Heide sprach, der hehre: „In meine Heimat komm mit mir: Zwei reiche Länder geb ich dir,
Die unser Vater sich erwarb, Als Eisenhart, der König, starb: Zaßamank und Aßagog. Seine Mannheit Niemand trog,
Als da er mich verwaisen ließ. Unverziehn von Mir ist dieß Meinem Vater noch fürwahr. Sein Gemahl, die mich gebar,
Ist vor Minneleid gestorben, Da der Minne Glück ihr war verdorben. Ich säh doch gerne diesen Mann: Mir ist zu wißen gethan,
Nie beßern Ritter sah der Osten; Ihn zu finden spar ich keine Kosten.“ Parzival versetzte da: „Ach, daß auch Ich ihn niemals sah!
Doch viel Gutes immerfort Hör ich von ihm an manchem Ort. Er verstand es wohl, im Streit Zu mehren seine Würdigkeit:
Seinen Preis erhöhte jeder Strauß; Alle Schande wich ihm aus. Er war den Frauen unterthan, Und alle guten, die ihn sahn,
Lohntens ohne falsche List. Daß es der Stolz der Christen ist, So getreulich lebt' er vor den Heiden. Er wust' auch Andern zu verleiden
Alle unedle That: Ihm gab sein stätes Herz den Rath. So hört' ich es aus Aller Mund, Denen dieser Mann war kund,
Den ihr so gerne möchtet sehn. Selbst müstet ihr ihm zugestehn Den Preis, wenn er noch lebte, Der stäts den Preis erstrebte.
So warb er um der Frauen Lohn, Bis der König Ipomidon Kam und Lanzen mit ihm brach: Die Tjost geschah zu Baldag.
Da ward sein würdigliches Leben Um Minne in den Tod gegeben. In rechter Tjost gieng uns verloren Durch den wir beide sind geboren.“
„O weh der ungestillten Noth,“ Sprach der Heide: „ist mein Vater todt? So ist die Freude mir zerronnen, Und hatte Freude kaum gewonnen!
Ich hab in wenig Stunden Glück verloren, Glück gefunden. Es ist die Wahrheit sicherlich, Er, mein Vater, Du und Ich,
Wir sind nicht Dreie, wir sind Eins, Und Dreie nur kraft leeren Scheins. Wohl sieht der weise Mann es ein, Sippe findet er allein
Zwischen Vater nur und Kindern, Will er der Wahrheit Recht nicht mindern. Mit dir selber hast du hier gestritten, In den Kampf mit Mir kam ich geritten,
Mich selber hätt ich gern erschlagen. Du aber schütztest ohne Zagen Vor mir selber mich in Dir. Sieh Jupiter, dieß Wunder hier!
Zu Hülfe kam uns deine Kraft Und löst' uns aus des Todes Haft.“ Er lacht' und weinte still für sich. Thränen überflüßiglich
Entträufelten dem Heiden; Ein Getaufter möcht es neiden. Denn die Taufe lehrt uns Treue, Da unser Bund, der neue,
Nach Christi Namen wird genannt Und man an Christo Treue fand. Der Heide sprach, ich sag euch wie: „Laßt uns nicht länger sitzen hie.
Reite mit mir an den Strand, So befehl ich, daß zu Land, Dich zu schauen, von dem Meer Sich begiebt das reichste Heer,
Dem Juno Fahrwind mochte leihn. Mit Wahrheit ohne falschen Schein Zeig ich dir manchen werthen Mann, Der mir zu Dienst ist unterthan.
Lieber Bruder folge mir.“ Der Waleis sprach: „Und wäret ihr Wohl so gewaltig eurer Leute, Daß sie eurer harrten heute,
Und so lang ihr ferne seid?“ Da sprach der Heide: „Sonder Streit: Und blieb ich aus ein halbes Jahr, Mein harrte Reich und Arm fürwahr;
Keiner dürfte von dem Ort. Speise haben sie an Bord Genug, kein Mangel ficht sie an. Von den Schiffen darf nicht Ross noch Mann,
Als sich mit Waßer zu versehn Und sich am Strande zu ergehn.“ Parzival zum Bruder sprach: „Wohlan, so folget Mir denn nach
Zu großer Pracht, Fraun wonnesam Und von euerm edeln Stamm Manchem Ritter kurtois. Artus der Bretanois
Liegt hier mit reichem Hofgelag (Ich verließ es erst vor Tag), Mit großer minniglicher Schar: Da sehn wir Frauen schön und klar.“
Der Heid, als er von Fraun vernahm (Den Frauen war sein Herz nicht gram), Da sprach er: „Führ mich hin mit dir. Lieber Bruder, sage mir
Wen wir finden an dem Ort? Sehn wir unsrer Freunde dort, Wenn wir zu Artus kommen? Von seinem Hof hab ich vernommen,
Daß er prächtig sei und reich; Nichts komme seinem Glanze gleich.“ Parzival hub wieder an: „Wir sehn da Frauen wohlgethan.
Nicht umsonst ist unsre Fahrt, Wir finden unsres Stammes Art, Leute, die uns angeboren, Und manches Haupt zur Kron erkoren.“
Sie sprangen beid empor zumal. Nicht versäumt' auch Parzival, Er holte seines Bruders Schwert: Das stieß er dem Degen werth
Wieder in die Scheide. Da entsagten sie wohl beide Allem Haß und allem Streit Und ritten hin in Einigkeit.
Eh sie bei Artus angekommen, Hatt Er von ihnen schon vernommen. Dort wars an diesem Tage Des Heers gemeine Klage,
Daß Parzival der Held verwogen So von dannen war gezogen. Artus beschloß da mit den Seinen, Daß man auf Parzivals Erscheinen
Acht Tage harren solle Und die Statt nicht räumen wolle. Als Gramoflanzens Heer gekommen, Ward ihm manch weiter Kreiß genommen,
Und mit Zelten wohl geziert: Der König ward darin logiert Und seine stolzen Leute. Man mochte die vier Bräute
Nicht schöner ehren, als geschah. Von Schatelmerveile reiten sah Man einen Mann zur selben Zeit: Der sprach, man hab einen Streit
Auf dem Warthaus in der Säul ersehn: Was je mit Schwerten wär geschehn, Vergleiche diesem Streit sich nicht. Gawanen bracht' er den Bericht
(Bei Artus saß der Degen hehr): Die Ritter riethen hin und her, Wer die Kämpfer wohl gewesen sei'n. Artus der König sprach darein:
„Zur Hälfte wett ich, daß ichs treffe: Hier hat von Kanvoleiß mein Neffe, Der heute von uns schied, gestritten.“ Da kamen auch die Zwei geritten.
Ihrem Kampf wohl bracht es Ehre, Wie vom Schwert und von dem Spere Helm und Schild die Spuren trug. Geschickt war dessen Hand genug
Da auch der Kämpfer Kunst bedarf), Der diese Schilderei entwarf. Sie wandten sich zu Artus Zelt. Hin blickte staunend alle Welt,
Als er geritten kam, der Heide; Viel Reichthum trug der Held am Kleide. Voll von Hütten stand das Feld. Sie ritten vor das Hochgezelt
In Gawans Zeltberinge. Ob man sie inne bringe, Sie wurden gern gesehn? Gewiß ist das geschehn.
Gawanen sah man eilends kommen, Da er bei Artus wahrgenommen, Daß sie zu seinem Zelte ritten: Er empfieng sie mit der Freude Sitten.
Sie hatten noch die Rüstung an: Gawan der höfische Mann Ließ sie alsbald entkleiden. Wohl hatt im Kampf zu leiden
Ecidemon das Thier genug. Dem Korsette, das der Heide trug, Ward wohl auch von Schlägen weh. Es war ein Saranthasme;
Darauf stand mancher theure Stein. Darunter von schneeweißem Schein Rauh gebildet war das Kleid; Theure Steine drauf verstreut
Beleuchteten einander. Dieß hatten Salamander Gewoben in dem Feuer. Sie wagt' auf Abenteuer
Minne, Land und Leben, Die ihm solch Kleid gegeben (Gern vollbracht er ihr Gebot So in Freude wie in Noth),
Die Königin Sekundille. Wohl war es ihres Herzens Wille, Daß sie ihm ihre Schätze lieh; Durch hohen Preis verdient' er sie.
Gawan bat der Knappen Schar: „Habt Acht, daß an der Rüstung klar Nichts verschoben und verrückt Werde, oder gar zerstückt,
An Schild, Helm oder Ueberleib.“ Zuviel wärs einem armen Weib Zur Gabe, schon das Kleid alleine: So köstlich waren die Steine
An den Stücken allen Vieren. Hohe Minne kann wohl zieren, Gesellt sich Reichthum nur zur Gunst Oder eine edle Kunst.
Da der stolze reiche Feirefiss Sich stäts mit treuem Dienst befliß Um Frauenhuld, so gab ihm willig Eine Lohn dafür wie billig.
Als sie die Rüstung abgethan, Da schauten diesen bunten Mann Alle mit Verwunderung, Denn Wunders sahn sie da genung:
Der Heide trug manch seltsam Mal. Gawan sprach zu Parzival: „Freund, Wer ist der Geselle dein? Er trägt so wunderlichen Schein,
Daß ich nie dem Gleiches sah.“ Zu dem Wirthe sprach der Waleis da: „Bin ich dein Freund, so ists auch Er, Des sei dir Gahmuret Gewähr:
Der König ists von Zaßamank. Mein Vater dort mit Preis errang Seine Mutter, Belakanen.“ Da ward er sattsam von Gawanen
Geküsst. Viel schwarz und weiße Flecken Sah man Feirefissen decken All die Haut, nur daß der Mund Halber Röthe machte kund.
Beiden brachte man Gewand, Das für kostbar ward erkannt; Man trugs aus Gawans Kammer dar. Da kamen Frauen schön und klar.
Orgeluse läßt ihn Kondriê Und Sangiven küssen, eh Mit Arniven sie den Mund ihm beut. Feirefiss war hoch erfreut,
Als er so klare Frauen sah; Viel Liebes ihm daran geschah. Gawan zu Parzivalen sprach: „Freund, dein neues Ungemach
Verräth dein Helm und auch dein Schild. Euch zwein ist übel mitgespielt, Dir und auch dem Bruder dein: Bei Wem erwarbt ihr diese Pein?“ –
„Nie ward mir härtrer Streit bekannt,“ Sprach der Waleis: „meines Bruders Hand Zwang mich zur Wehr in großer Noth: Wehr ist ein Mittel für den Tod.
Auf diesem Fremdling nahverwandt Zerbrach das Schwert mir in der Hand. Zeigt' er da Furcht, so war es kleine: Fern aus der Hand warf er das seine.
Nicht wollt er sich an mir versünden Und wuste nicht wie nah wir stünden. Jetzt hab ich seiner Huld Geschenk, Sie zu verdienen eingedenk.“
Da sprach Gawan: „Mir ward gesagt Von einem Streit gar unverzagt: Zu Schatelmerveil ersieht Man was sechs Meilen weit geschieht:
Die Spiegelsäule zeigt es dort. Gleich sprach mein Ohm Artus das Wort: Der dort gekämpft des selben Mals, Du wärst es, Held von Kingrivals.
Du hast Gewissheit erst gebracht; Doch hatten wirs uns hier gedacht. Nun glaube mir was ich dir sage: Wir hätten dein geharrt acht Tage
Mit großer reicher Lustbarkeit. Mir ist euer Zweikampf leid: Ruht davon bei Mir euch aus. Da doch geschehen ist der Strauß,
So habt euch künftig um so gerner; Den Haß vergüte Freundschaft ferner.“ Früh aß man heut in Gawans Zelt, Da von Thasme der werthe Held,
Feirefiss Anschewein, Ungespeist war, gleich dem Bruder sein. Da lagen Polster hoch und lang Im Kreiß umher auf mancher Bank.
Weiche Decken aller Art, Von Palmat, wurden nicht gespart, Die Polster reich damit gedeckt; Darauf war theures Tuch gesteppt,
Zu vollem Maße lang und breit. Klinschors ganze Herrlichkeit Ward da zur Schau hervorgetragen. Als Tapeten, hört ich sagen,
Wurden Decken aufgehangen; Da sah man köstlich prangen An vier Seiten des Raumes. Darunter Polster sanften Flaumes
Mit weichern Kissen überdeckt, Die Vorhänge drauf gesteckt. Der Kreiß begriff ein weites Feld, Sechs Zelte hätte man gestellt
Ohne Gedränge der Schnüre. Doch weil ich unklug verführe, Laß ichs hiebei bewenden. Da ließ Herr Gawan senden
Zu Artus, der noch nicht vernommen Was für ein Gast ihm war gekommen: Der reiche Heide wäre da, Den die Heidin Ekuba
So gepriesen an dem Plimizöl. Jofreit, Fils Idöl, War es, ders Artusen sagte, Dem solche Märe wohlbehagte.
Jofreit bat ihn, gleich zu eßen Und nach Tisch nicht zu vergeßen, Daß er mit Rittern und mit Fraun Höfisch käm den Gast zu schaun,
Denn also würde Zucht begangen Und würdiglich bei Hof empfangen Gahmuretens stolzes Kind. „So viel hier werthe Leute sind,
Die bring ich,“ sprach der Bretanois. Jofreit sprach: „Er ist so kurtois, Ihr mögt ihn alle gerne sehn, Und Wunder viel an ihm erspähn.
Er kommt aus großer Herrlichkeit: Seine Rüstung und sein Kleid Niemand möcht es ersetzen; Noch wög ers auf mit Schätzen.
Bretagne, Löver, Engelland, Von Paris bis nach Witsand, Dazwischen all die reiche Welt, Gäb ihm keineswegs Entgelt.“
Jofreit war zurückgekommen Als Artus von ihm vernommen Wie er gebahren sollte, Wenn er begrüßen wollte
Den reichen Heiden unverweilt. Die Sitze wurden nun vertheilt An Gawans Tafelkreise Gar in höfscher Weise:
Daß der Bann der Herzogin Und Die ihr Dienst um Minne liehn, Gawan zur Rechten saßen, Ihm zur Linken fröhlich aßen
Die Ritter all aus Klinschors Bann. Gawan genüber gab man dann An des Tisches andrer Spitze Klinschors gefangnen Frauen Sitze:
Die waren schön und klar zumal. Feirefiss und Parzival Saßen mitten zwischen Frauen: Da mochte man wohl Klarheit schauen.
Der Türkowite Florand Saß Sangiven zugewandt, Wie der Herzog auch von Gowerzein Und Kondriê, die Gattin sein,
Einander gegenüber saßen. Auch dießmal, wett ich, nicht vergaßen Gawan und Jofreit Ihrer alten Geselligkeit;
Sie aßen stäts beisammen. Mit den Augen voller Flammen Aß die edle Herzogin Bei Arniven der Königin.
Zu freundlicher Geselligkeit Waren sich die Zwei bereit. Seine Ahne saß bei Gawan dort, Orgeluse weiter von ihm fort.
Wohl herschte da die wahre Zucht Und alle Unart nahm die Flucht. Den Rittern und den Frauen ward Speis und Trank mit guter Art
Gebracht und freundlich hingestellt. Feirefiss der reiche Held Hub zu seinem Bruder an: „Jupiter hat wohl an mir gethan,
Daß er mich in dieses Land Hat geführt und hergesandt In meiner werthen Freunde Kreiß. Billig geb ich wohl den Preis
Meinem Vater, den ich längst verlor: Der sproß recht aus dem Preis hervor!“ Der Waleis sprach: „Preiswerthe Leute Sollt ihr viel noch schauen heute
Bei Artus dem König hehr, Mannlicher Ritter schier ein Heer: Wenn das Mal ist aufgehoben, Unlange bleibt es dann verschoben,
Bis her die Werthen kommen, Deren Preis weit wird vernommen. Hier sind drei Ritter nur vom Bunde Der weitberühmten Tafelrunde:
Der Wirth und Jofreit; Auch ich verdient' es einst im Streit, Daß man mich dazu begehrte, Was ich den Helden gern gewährte.“
Nun war es Zeit, daß man hindann Das Tischtuch hob vor Weib und Mann. Als die Malzeit war geschehn, Da eilte Gawan aufzustehn:
Die Herzogin samt seiner Ahnen Sah man ihn bitten und ermahnen, Daß sie Frau Sangiven doch, Und Kondriê die süße noch,
Zu sich nähmen und mit beiden Giengen zu dem bunten Heiden: Dem sollten sie recht freundlich sein. Feirefiss Anschewein
Sah diese Frauen zu sich gehn: Vor ihnen eilt' er aufzustehn; So auch sein Bruder Parzival. Die schöne Herzogin zumal
Nahm Feirefissen bei der Hand; Fraun und Ritter, die sie stehen fand, Bat sie, sich zu setzen all. Sieh, da zog mit lautem Schall
Artus mit seinem Heer heran. Posaun und Trommel hörte man, Der Hörner und der Flöten Ton. Der Königin Arnive Sohn
Zog mit großem Schall einher. Des freute sich der Heide sehr, Der solche Kunde gern empfieng. So ritt zu Gawans Zeltbering
Artus mit seinem Ehgemahl, Und werther Leute großer Zahl, Mit Rittern und mit Frauen. Der Heide mochte schauen,
Daß da auch junge Leute waren, Von deren blühenden Jahren Sprach des Angesichtes Glanz. Auch war der König Gramoflanz
Noch in Artusens Pflege; Mit Ihm auf gleichem Wege Ritt Itonjê sein süßes Lieb, Die aller Falschheit rein verblieb.
Ab stieg der Tafelrunder Schar, Dazu viel Frauen schön und klar. Ginover ließ Itonjê Den reichen Heiden küssen, eh
Sie selber näher zu ihm gieng Und küssend Feirefiss empfieng. Gramoflanz und Artus, Mit getreulicher Liebe Kuss
Empfiengen sie den Heiden. Da ward ihm von den beiden Viel erboten Dienst und Ehr; Auch fand er noch Verwandte mehr,
Die ihm gewogen wollten sein. Feirefiss Anschewein War zu guten Freunden nun gekommen, Das hatt er hier gar bald vernommen.
Nieder saßen Weib und Mann Und viel Mägdlein wohlgethan. Da mochte mancher Ritter finden, Wollt er sich des unterwinden,
Süßes Wort von süßem Munde, Taugt' er sonst zum Minnebunde. Um solch Gesuch trug keinen Haß Manch klares Fräulein, das da saß.
Ein gutes Weib ficht Zorn nicht an, Fleht sie um Hülf ein werther Mann, Sie mag gewähren, mag versagen. Kann ein Ding als Zins uns Freude tragen,
Solchen Zins muß wahre Minne geben: So sah ich stäts die Werthen leben. Nun saß der Dienst hier bei dem Lohn. Es ist ein hülfreicher Ton,
Wird der Freundin Wort vernommen, Das dem Freunde soll zu Statten kommen. Artus saß zu Feirefiss, Wo Jedweder sich befliß,
Auf des Andern Fragen Freundlich Antwort zu sagen. Artus sprach: „Gelobt sei Gott, Daß er diese Ehr uns bot,
Daß wir Dich hier bei uns sahn. Aus der Heidenschaft fuhr nie ein Mann Her in der Getauften Land, Dem ich mit dienstbereiter Hand
So gerne Dienst gewährte Wenn dein Wille das begehrte.“ Feirefiss zu Artus sprach: „Vorbei ist all mein Ungemach,
Seit Juno meine Göttin Mir den Segelwind verliehn Her in dieses Westenreich. Du siehst fürwahr dem Manne gleich,
Dessen Macht und Würdigkeit Der Ruhm posaunte weit und breit. Bist du Artus genannt, So ist dein Name fern bekannt.“
Artus sprach: „Selber ehrt' er sich, Der Dir und Andern über mich Rühmliches berichtet hat. Ihm gab die eigne Zucht den Rath
Mehr, als daß ichs würdig bin; Er thats aus höfischem Sinn. Ich bin es, den sie Artus nennen Und möcht es gründlich wohl erkennen,
Wie du kamst in dieses Land. Hat ein Weib dich ausgesandt, Die ist gewiss geheuer, Da du auf Abenteuer
Dich hast so weit verstiegen. Bleibt ihr Lohn dir unverschwiegen, Den Dienst der Fraun empfiehlt uns das, Denn jeder Frau wohl müst in Haß
Ihr Diener wandeln seine Liebe, Wenn Dir ungelohnet bliebe.“ „Auch wird es anders wohl vernommen,“ Sprach der Heide: „hört wie ich gekommen.
Ich führe solch ein mächtig Heer, Der Trojaner Landwehr Und die sie einst umsaßen, Die müsten mir die Straßen
Räumen, wenn sie noch lebten Und mit Mir zu kämpfen strebten: Sie könnten nimmer uns besiegen Und müsten schimpflich unterliegen,
Meiner Obmacht allzuschwach. Ich hab in manchem Ungemach Verdient mit ritterlicher That, Daß nun Erbarmen mit mir hat
Die Köngin Sekundille; Ihr Wunsch ist mein Wille. Die Richtschnur gab sie meinem Leben, Sie hieß mich mildiglich zu geben
Und guter Ritter viel zu halten; So sollt ich ihr zu Liebe schalten. Da that ich wie sie mir befahl: Unterm Schild von hartem Stahl
Nennt sich dienstbar meiner Hand Manch werther Ritter auserkannt. Ihre Minne giebt sie mir zum Lohn; Auch führ ich ein Ecidemon
Im Schilde, wie sie mir gebot. Seitdem erfuhr ich in der Noth, Sobald ich nur an sie gedachte, Daß ihre Minne Hülfe brachte:
So dank ich ihr des Trostes mehr Als meinem Gotte Jupiter.“ Artus sprach: „Von dem Vater dein, Gahmuret, dem Neffen mein,
Ists die dir angestammte Art: Im Dienst der Frauen weite Fahrt. Du magst von Dienst auch Kund empfahn Bei Uns, denn größrer ward gethan
Auf Erden selten einem Weib Um ihren wonniglichen Leib. Ich meine hier die Herzogin: Um ihrer Minne Gewinn
Ward des Waldes viel verschwendet. Ihre Minne hat gepfändet An Freuden manchen Ritter gut Und ihm geraubt den hohen Muth.“
Da sagt' er ihm was Gawan Und was die Ritter all gethan, Die er sah zu allen Seiten; Und von den beiden Streiten,
Die sein Bruder um den Kranz Auf dem Feld gestritten bei Joflanz. „Und wie er sonst die Welt durchfahren, Wie er sich nirgend wollte sparen,
Das macht er dir wohl selber kund. Er suchet einen hohen Fund, Nach dem Grale ringet er. Von euch Zwein ist mein Begehr,
Daß ihr mir nennet Land und Leute, Die ihr im Kampf erprobt bis heute.“ Der Heide sprach: Ich nenne dir, Die ich gefangen führe hier:
„König Papiris von Trogodjente Und Graf Behantins von Kalomidente, Herzog Farjelastis von Africke Und König Liddamus von Agrippe,
König Tridanz von Tinodonte Und König Amaspartins von Schipelpjonte, Der Herzog Lippidins von Agremontin Und König Milon von Nomadjentesin,
Von Aßagarzionte Graf Gabarins Und von Rivigitas der König Translapins, Von Hiberbortikon Graf Filones Und von Centrion König Killikrates,
Der Graf Lysander von Ipopotitikon Und der Herzog Tiridê von Elixodjon, Von Orastegentesin der König Thoaris Und von Satarchjonte der Herzog Alamis,
Der König Aminkas von Sotofeititon Und der Herzog von Duskontemedon, Von Arabien König Zoroaster Und Graf Possizonjus von Thiler,
Der Herzog Sennes von Narjoklin Und der Graf Edisson von Lanzesardin, Von Janfuse der Graf Fristines Und von Atropfagente der Herzog Meiones,
Von Neurjente der Herzog Archeinor Und von Panfatis der Graf Astor, Die von Aßagog und Zaßamank Und von Gampfassasche der König Jetakrank,
Der Graf Jurans von Blemunzin Und der Herzog Affinamus von Amantesin.“ „Eins zählt' ich mir zur Schande: Man sprach in meinem Lande,
Kein beßrer Ritter möchte sein Als Gahmuret Anschewein, So Viele je beritten waren. Da beschloß ich auszufahren
Und zu suchen, bis daß ich ihn fände: Da lernt' ich Kampf an manchem Ende. Von zweien Landen auf das Meer Führt' ich ein kraftvolles Heer.
Mir stand nach Ritterschaft der Muth: Wie stark ein Land, wie schön und gut, Ich unterwarf sie meiner Hand Bis fern zu unbetretnem Strand.
Da gelobten mich zu minnen Zwei reiche Königinnen, Olympia und Klauditte; Sekundill ist nun die dritte.
Um Frauen hab ich viel gethan; Nun hab ich heut erst Kund empfahn, Mein Vater Gahmuret sei todt. Mein Bruder meld auch seine Noth.“
Da sprach der werthe Parzival: „Seit ich geschieden bin vom Gral Hat meine Hand mit Streite In der Näh und in der Weite
Sich oftmals ritterlich erzeigt Und Manchem auch den Preis geneigt, Der nicht gewohnt war an den Fall. Die will ich euch benennen all:
Von Lirivoin König Schirniel Und von Avendroin sein Bruder Mirabel, Der König Serabil von Roßokarz Und König Pibleson von Lorneparz,
Von Sirnegonz den König Senilgorz Und von Villegaronz Strangedorz, Von Mirnetalle den Grafen Rogedal Und von Pleyedonze Laudunal,
Den König Onipriß von Itolak Und den König Zyrolan von Semblidak, Von Jeroplis den Herzogen Jerneganz Und von Zambron den Grafen Plineschanz,
Von Tutelêonz den Grafen Longefieß Und von Privegarz den Herzogen Marangließ, Von Piktakon den Herzogen Strennolas Und von Lampregon den Grafen Parfoyas,
Von Askalon den König Vergulacht, Und von Pranzile den Grafen Bogudacht, Postefar von Laudondrechte Und den Herzogen Leidebron von Redonzechte,
Von Literbe Koleval Und Jovedast von Arl den Provenzal, Von Tripparon den Grafen Kardofyas. In rechter Tjost begab sich das
Als ich nach dem Grale ritt. Nennt' ich sie All, die ich bestritt, So käm ich nimmer an das Ziel, Drum muß ich euch verschweigen viel.
Die mir mit Namen sind bekannt, Die hab ich euch wohl meist genannt.“ Von Herzen freute sonder Neiden Seines Bruders Preis den Heiden:
Daß ihm seine Hand im Streit Erwarb so hohe Würdigkeit, Wohl dankt' er ihm dafür gar sehr; Ihn selber ehrt' es noch viel mehr.
Da ließ Gawan des Heiden Wehr, Als geschähs von Ohngefähr, In des Kreißes Mitte bringen. Man legt' ihm Werth bei, nicht geringen.
Die Ritter und die Frauen, Die kamen all zu schauen Schild, Korsett und Wappenkleid; Nicht zu eng der Helm und nicht zu weit.
Alle staunten ob dem Scheine Der theuern edeln Steine, Die darin verlöthet lagen. Man darf mich nach der Art nicht fragen,
Der sie angehören, So die leichten als die schweren. Beßer wohl beschied' euch des Eraklius oder Herkules
Und der Grieche Alexander; Oder noch ein Andrer, Der weise Pythagoras, Der die Schrift der Sterne las:
Der war so weise sonder Streit, Daß Niemand seit Adams Zeit Noch so weisen Sinn getragen; Der konnte wohl von Steinen sagen.
Die Frauen raunten: „Hab ein Weib Ihm damit geziert den Leib, Wenn er sich Der nicht treu erweise, Das schade seinem Preise.
So hold war Manche hier dem Heiden, Sie würde seinen Dienst wohl leiden, Just weil ihn ziert manch fremdes Mal. Gramoflanz, Artus, Parzival
Und der Wirth Herr Gawan, Die gehen nun allein hindann; Den reichen Heiden vertrauen Sie unterdessen den Frauen.“
Artus berieth ein Festgelag, Das man schon am andern Tag Auf dem Feld begehen sollte, Weil er damit empfangen wollte
Seinen Neffen, Feirefißen: „Das zu bestellen seid beflißen Mit euerm besten Witze, Daß Er mit uns sitze
An der edeln Tafelrunde.“ Sie versprachens all aus Einem Munde Zu thun, wofern es ihm nicht leid. Da verhieß Geselligkeit
Ihnen Feirefiss der Degen reich. Nach dem Nachttrunk fuhr sogleich Zu seiner Ruhe Jedermann. Die Freude brach für Manchen an
Am Morgen, darf ich also sagen, Da der süße Tag begann zu tagen. Da hielt es so Artus, der Sohn Des Königs Utepandragon:
Bereiten ließ er, reich genug, Der Tafelrund ein Tafeltuch Aus einem Triantthasme fein. Euch wird noch in Erinnrung sein
Wie an des Plimizöls Gestad Man Tafelrund gehalten hat: Nach jenem Tuche maß man dieß, Rund geschnitten, Jeder pries
Wie es reich und köstlich wär. Abgesteckt ward rings umher Ein Kreiß auf thauig grünem Gras, Der wohl sieben Morgen maß
Vom Schausitz bis zur Tafelrunde. War es die rechte nicht im Grunde, Den Namen ließ sie sich nicht nehmen. Wohl möcht ein feiger Mann sich schämen,
Wenn er hier bei den Werthen saß Und sein Mund die Kost mit Sünden aß. Der Kreiß ward bei der schönen Nacht Abgesteckt, und wohl mit Pracht
Geziert von dem zu jenem Ziel. Einem armen König wärs zu viel, Wie man die Runde fand geschmückt Als der Morgen war herangerückt.
Gawan und Gramoflanz allein Standen für die Kosten ein. Artus war hier zu Lande Gast; Doch trug er mancher Kosten Last.
Und wurde noch so schwarz die Nacht, Doch ists von Alters hergebracht, Die Sonne bringt den Tag zurück. Auch heute widerfuhr dieß Glück:
Schon schien er lauter, süß und klar. Mancher Ritter strich da wohl sein Haar, Und schmückt' es schön mit Blumenkränzen. Da sah man Frauen lieblich glänzen
Ungeschminkt mit rothem Mund, Thut Kiot anders Wahrheit kund. Man sah an Herrn und Fraun Gewand, Nicht nach dem Schnitt in Einem Land;
Hohen, niedern Kopfputz auch, Wie es in jedem Land Gebrauch. Sie kamen her aus manchen Reichen, Die sich in Sitt und Schnitt nicht gleichen.
Den Fraun, die keinen Ritter hatten, Wollte man es nicht verstatten In der Tafelrunde Kreiß zu kommen. Hat sie Wen in Dienst genommen,
Dem sie Lohn verhieß mit Hand und Munde, So kam sie an die Tafelrunde. Meiden musten sie die Andern Und nach den Herbergen wandern.
Nun Artus Messe hat vernommen, Sieht man mit Gramoflanzen kommen Den Herzogen von Gowerzein Und Florand den Gesellen sein.
Die wären gern erhoben worden In der Tafelrunde Orden: Da ward nach ihrem Wunsch gethan. Fragt euch Weib nun oder Mann,
Wer der reichste wär der Recken, Die je aus allen Länderstrecken Saßen an der Tafelrunde, Dem gebet nur getrost die Kunde,
Es war Feirefiss Anschewein: Laßt es dabei bewendet sein. Mit festlichem Gepränge Ritt man zu des Kreißes Enge.
Manche Frau kam in Gefahr, Wenn ihr Ross nicht wohl gegürtet war, Sie wär gewiss gefallen. Mit reicher Banner Wallen
Kamen sie von allen Seiten. Da sah man sie den Buhurd reiten Rings um den abgesteckten Kreiß. Es war höfisch und weis,
Daß Keiner in den Schranken ritt: Der weite Raum da draußen litt, Daß sie die Rosse wohl ersprengten, Die Haufen sich im Anlauf mengten;
Auch mochten sie so künstlich reiten, Daß sichs die Fraun zu schauen freuten. Als die Zeit des Mals gekommen, Ward an der Tafel Platz genommen.
Truchseß, Kämmerer und Schenken Hatten Manches zu bedenken, Daß mans mit Zucht zur Stelle trug. Wohl gab man Jeglichem genug.
Die Frauen ehrt' es, die man da An des Freundes Seite sah; Für Manche hatt auch kühne That Vollbracht verliebten Herzens Rath.
Feirefiss und Parzival Musterten mit süßer Qual Bald eine bald die andre Frau. Auf Acker oder Wiesenau
Sah man noch zu keiner Stunde So lichte Haut bei rötherm Munde Als an dieser Tafel Ringe: Da ward der Heide guter Dinge.
Heil der nahenden Stunde! Willkommen sei die süße Kunde, Die von der Jungfrau wird vernommen! Denn eine Jungfrau sah man kommen
In theuern Kleidern, wohl geschnitten, Kostbar nach Franzosensitten; Ein reicher Sammt ihr Oberkleid, Schwärzer noch als ein Geneit.
Manch Turteltäubchen schien da hold, Gewoben aus Arabiens Gold, Das Wappenbild des Grales. Sie ward desselben Males
Bestaunt von allen Leuten. Laßt sie zur Stelle reiten. Die Kopfzier trug sie hoch und blank; Mit manchem dichten Ueberhang
War ihr Angesicht bedeckt, Und vor jedem Blick versteckt. Sacht und doch in Zelterschritten Kam sie über Feld geritten.
Ihr Zaum, ihr Sattel und ihr Pferd Unstreitig hatten hohen Werth. In den Kreiß ließ man sie gern Zu den Frauen und den Herrn.
Nicht die Thörichte, die Weise Ritt da rings umher im Kreise. Man zeigt ihr an wo Artus saß, Den sie zu grüßen nicht vergaß.
Französisch hub sie an zu sprechen Und flehte, nicht an ihr zu rächen, Wie sie gescholten einst den Helden, Dem sie nun Frohes wolle melden.
Den König und die Königin Bat sie, daß die ihr Beistand liehn. Von diesen wandte sie sich da Zu Parzivalen, den sie nah
Bei Artusen sitzen fand. Sie schwang sich eilends, unverwandt, Von dem Pferd auf das Gras. Mit aller Zucht, die sie besaß,
Fiel sie Parzival zu Füßen Und bat ihn weinend um sein Grüßen, Daß er ihr die Schuld verzeihe Und seine Huld ihr wieder leihe.
Für sie zu bitten befliß Da Artus sich und Feirefiss. Noch hegte Parzival ihr Haß, Den er getreulich doch vergaß
Und ihr der Freunde halb verzieh. Die Werthe, schön wohl war sie nie, Schnell wieder auf die Füße sprang, Und sagte Beiden großen Dank,
Die ihr wiederum zu Huld Verholfen nach so großer Schuld. Herab nun riß sie so geschwinde Ihres Hauptes Schmuck und Binde,
Daß die Haube wie die Schnur Vor ihr auf die Erde fuhr. Kondrie la Sorziere Ward da erkannt im Heere,
Und des Grales Wappen, das sie trug, Besah, bestaunte man genug. Sie war auch noch so wohlgethan Wie ehmals, da sie Weib und Mann
An den Plimizöl sah kommen; Wie schön sie war, ihr habts vernommen. Ihre Augen hatten noch dieselbe Topasengleiche Gelbe;
Die Zähne lang, der Mundes Schein Glich einem blauen Veigelein. Sie trug ihn wohl aus eitelm Muth: Was sollt ihr sonst der theure Hut
An des Plimizöls Gestaden? Die Sonne würd ihr doch nicht schaden: Ihre Stralen konnten nimmerdar Die Haut ihr schwärzen durch das Haar.
Nun stand sie höfisch da und sprach: Für hohe Märe galts hernach, Was sie zur selben Stunde Kund that aus fahlem Munde:
„O wohl dir, Sohn von Gahmuret, An dem Gott Gnade nun begeht, Du der von Herzeleiden erbte; Feirefiss der buntgefärbte
Soll mir auch willkommen sein. Sekundille war die Herrin mein; Auch erwarb sich hohe Würdigkeit Von Jugend auf dein Preis im Streit.“
Zu Parzivalen sprach sie so: „Nun sei demüthgen Sinnes froh Des dir beschiednen Theiles, Der Krone menschlichen Heiles!
Die Inschrift wurde gelesen: Du bist zum Herrn des Grals erlesen. Kondwiramur, die Gattin dein, Und dein Sohn Loherangrein
Sind mit dir dazu benannt. Seit du Brobarz geräumt, das Land, Gebar zwei Söhne dir ihr Schooß; Das Reich, das Kardeiß bleibt, ist groß.
Und wär kein ander Heil dir kund, Als daß dein wahrhafter Mund Den unseligen, den süßen Mit froher Botschaft soll begrüßen!
Den König Anfortas erlöst Die Frage deines Munds und flößt Ihm Freud ins Herz, dem Jammerreichen: Wer mag an Seligkeit dir gleichen!“
Sieben Sterne jetzt benannte Sie arabisch. Ihre Namen kannte Feirefiss der werthe Heide reich; Der saß da schwarz und weiß zugleich.
Sie sprach: „Ermiß nun, Parzival, Der höchste Planete Zwal Und der schnelle Almustri, Almaret und der lichte Samsi,
Erweisen Seligung an dir. Der fünfte heißt Alligafir Und der sechste Alkiter Und uns der nächste Alkamer.
Ich sag es nicht aus einem Traum: Sie sind des Firmamentes Zaum, Die seine Schnelligkeit zu hemmen Kämpfend sich entgegenstemmen.
An dir hat Sorge nicht mehr Theil. Was des Planetenlaufes Eil Umkreißt, ihr Schimmer überdeckt, So weit ist dir das Ziel gesteckt,
Da sollst du Macht erwerben. Dein Kummer muß verderben. Unenthaltsamkeit allein Soll dir nicht gestattet sein;
So wehrt dir auch des Grales Kraft Der Sündigen Genoßenschaft. Du hattest junge Sorg erzogen: Nun dir Freude naht, ist sie betrogen.
Du hast der Seele Ruh erworben, Dir Freud erharrt im Drang der Sorgen.“ Die Mär verdrießt den Degen nicht; Vor Freud aus seinen Augen bricht
Waßer aus des Herzens Bronnen. Da sprach er: „Herrin, hohe Wonnen Hat mir euer Mund genannt. Bin ich so vor Gott erkannt,
Daß ich sündiger Mann Und wenn ich Weib und Kind gewann, Sie Alle mit mir Gnad empfahn, So hat Gott wohl an mir gethan.
Daß ihr mich gern entschädgen mögt, Das zeigt mir, daß ihr Treue hegt. Doch hatt ich sicherlich gefehlt, Sonst blieb mir euer Zorn verhehlt;
Ich wandelte noch nicht im Heil. Des gebt ihr jetzt mir solchen Theil, Daß sich endet all mein Leid. Für die Wahrheit bürgt mir euer Kleid:
Da ich zu Monsalväsche saß Bei dem traurgen Anfortas, Alle Schilde, die ich hangen fand, Waren gemalt wie eur Gewand:
Viel Turteltauben tragt ihr dran. Nun sagt mir, Herrin, wie und wann Ich soll zu meinen Freuden fahren, Und laßt mich das nicht lange sparen.“
Da sprach sie: „Lieber Herre mein, Ein Mann soll dein Geselle sein, Den wähle. Ich geleite dich; Daß du ihm helfest, spute dich.“
Da wards im ganzen Kreiß vernommen: „Kondrie la Sorzier ist kommen“ Und was ihre Botschaft meinte. Vor Freuden Orgeluse weinte,
Daß des Anfortas lange Qual, Wenn ihn früge Parzival, Bald ein Ende sollt empfahn. Artus, der weitgepriesne Mann,
Zu Kondrien höfisch sprach; „Frau, geedenkt auf eur Gemach: Laßt euch pflegen, lehrt uns wie.“ Da sprach sie: „Ist Arnive hie?
Welch Gemach mir Die verleiht, Damit genügt mir diese Zeit Bis mein Herr von hinnen fährt. Ist sie ihrer Haft erwehrt,
So erlaubt mir sie zu schauen, Und all die andern Frauen, Die manches Jahr in strenger Haft Klinschor hielt durch Zauberkraft.“
Zwei Ritter hoben sie zu Pferd: Zu Arniven ritt die Jungfrau werth. Schier zu Ende gieng das Mal. Bei dem Bruder saß noch Parzival:
Da bat er Den um sein Geleit. Feirefiss war gern bereit Mit gen Monsalväsch zu fahren. Da sie gesättigt waren,
Sie standen auf vom Tafelringe. Der Heide dachte hoher Dinge: Er bat den König Gramoflanz, Ob noch die Liebe voll und ganz
Zwischen ihm und seiner Nichten, „Laßt mir's die That berichten. Ihr und Freund Gawan helfet mir, Daß alle Könige und Fürsten hier,
Barone, Ritter und sofort, Ihrer Keiner laße diesen Ort Eh sie mein Geschenk ersehn. Mir wäre hier ein Schimpf geschehn,
Blieb' Einer meiner Gabe frei. So viel auch fahrenden Volks hier sei, Die müßen meine Gab empfangen. Herr Artus, such es zu erlangen,
Daß die Hohen sich nicht schämen, Gab aus meiner Hand zu nehmen. Nimm für sie den Schimpf auf Dich: Der Reichste bin ich sicherlich;
Und gieb mir Boten an das Meer: Die holen die Geschenke her.“ Da gelobten sie dem Heiden, Sie wollten sich nicht scheiden
Von dem Felde vor vier Tagen: Da ward er froh, so hört' ich sagen. Artus gab kluge Boten her, Die er sollte senden an das Meer.
Feirefiss, Gahmuretens Kind, Nahm Dint und Pergament geschwind. Sie ließen seine Schrift wohl gelten: So viel erwarb ein Brief noch selten.
Die Boten fuhren bald hindann. Parzival derweil begann: Französisch sagt' er Allen laut Was einst ihm Trevrezent vertraut,
Daß den Gral zu keinen Zeiten Jemand möcht im erstreiten, Den nicht Gott dazu ernannt. Da ward es kund in allem Land,
Kampf mög ihn nicht erzwingen. Die ihn gedacht zu erringen, Ließen es von dieser Frist, Daher er noch verborgen ist.
Von Feirefiss und Parzival Kam da den Frauen neue Qual. Den Urlaub wollten sie nicht laßen: Sie ritten durch des Lagers Gaßen
Und grüßten scheidend Jedermann. Mit Freuden schieden sie hindann In Stahl gewappnet wohl zur Wehr. Am dritten Tag kam von dem Heer
Des Heiden solche Habe, Nie vernahm man größre Gabe. Auf ewig halfs des Königs Land, Der Gab empfieng aus seiner Hand.
Nach Standsgebühr ward Jedem da, Daß er nie reichre Gabe sah, Den Frauen All ein reich Präsent Von Triant und Naurient.
Weiß nicht wie sich das Heer geschieden; Kondrie, die Zwei, ziehn hin in Frieden.
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