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1877

Straße

Bruno Wille

An düster ragenden Häuserwällen Durch flammenbesäte steinerne Schlucht Branden die rasselnden Wagen, die Menschen – Wie Wellen in klippiger Meeresbucht –

Der rote Vollmond taucht empor. Die Menge wühlt und drängt und stößt; Jedweden kümmert nur seine Not – Wie auf dem Deck des lecken Schiffes,

Das in den Tod zu sinken droht – Der rote Mond schaut düster drein. Auf glattem Bürgersteige kauert – Gleichwie am Felsenriff das Wrack –

Ein Mann mit vorgesunknem Kopfe, Zur Seite einen Lumpensack – Der Vollmond blickt mit düstrer Glut. Die Leute auf dem Bürgersteige

Treiben vorbei und blicken kalt; Die Pferdebahn beglotzt im Rollen Mit grünem Auge die Gestalt – Der rote Mond schaut düster drein.

Dort drüben lockt die blutige Flamme Dem Schnapswirt manchen Gast ins Haus; Und öffnet sich die dunstige Schenke, Dringt Schelten und Gejohl heraus –

Der Vollmond blickt mit düstrer Glut. Des Handelshauses Fensterreihe Ist noch vom Gaslicht grell erhellt; Papier und Pult und blasse Schreiber;

Der Chef durchzählt des Tages Geld – Der Vollmond blickt mit düstrer Glut. Nun heult vom Hofe die Maschine Zur Vesper; da entläßt das Thor

Viel arbeitsmatte Blusenmänner; Nur der Fabrikschlot stößt empor Zum roten Monde schwarzen Rauch. Ein würdiger Bürger kommt geschritten,

Den Lump am Steige trifft sein Blick; Entrüstet mit dem Kopfe schüttelnd Geht er zu Bier und Politik – Und zornrot glüht der volle Mond.

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