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1877

Sonnentod

Bruno Wille

Fern in Winterdunst versunken Liegt die graue Stadt. – Auf bereifter Wiese Träumt ein Frühgeborener

Von einer Stadt des Lichtes. – – – In frostigen Dünsten, die zum Himmel qualmen, Verblutet die Sonne. Ein weißes Birkenkind mit bebenden Reisern

Starrt bang in die Blutung: O stirb nicht, Mütterchen Sonne! Im zarten Gezweige hängt Rotkehlchen mit blutiger Brust,

Das Gefieder schaudernd gesträubt: Die Sonne stirbt, – Wie Blätter und Mücken starben! Ein karges Weilchen am Nachmittag

Erhob sie sich und schaute matt Und schräge über die Wiese; Dann ward sie ein verweintes Auge, Und nun ein Tropfen Blut ...

Sie stirbt, – wie jüngst die Blätter starben. Lebwohl, lebwohl! Deine Kinder behalten dich lieb. Sieh, drüben das Häuschen,

Das oft du belächelt, Grüßt dich wehmütig Mit glühender Fensterscheibe ... Und dicker qualmen die frostigen Dünste.

Anfangs müssen sie leuchten wie Nordlicht; Doch ihr rauchiger Schleier siegt, Und düster blutend, Gleich verglühender Kohle,

Erstickt im Qualme die Sonne. Russige Wolken ragen empor, Die auf riesigen Rumpfen Unendliche Flockenlasten zusammentragen,

Die Welt zu verschütten. Dämmrung stürzt lawinengleich Von Wolkengebirgen; Aus Wolkenklüften haucht der Frost

Schneidend über frierende Gräser. Krächzend und flügelklatschend Hastet die Krähe hinweg; Rotkehlchen ist fort, wie sturmverweht;

Die verwaiste Birke erschauert, An den Wimpern erfrorene Thränen ... Die Sonne ist tot! – – – In Finsternis versunken liegt die ferne Stadt.

Auf erfrorener Wiese Träumt ein Frühgeborener Von einer Stadt des Lichtes.

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