Umhaucht vom Silberdufte Des üppig blühenden Mondes, Erschauert leise des Parkes Glänzendes Laubgesproß –
Wie träumende Seelenjugend Im Kusse lichter Gedanken. Über den Wipfeln fern das Nachtgewölk Flammt bisweilen von Blitzen –
Dem dumpfen Schläfer gleich, Den heiße Leidenschaft Zuckend rührt. Aus Büschen und frischen Halmen
Atmet der süße Mai; In lauschiger Blättertiefe Dichtet träumend die Nachtigall; Und vom stolzen bleichen Hause
An des Parkes Saum Aus erhellten Fenstern Klingt Musik Wie perlendes Glück.
Im Garten aber am Eisengitter Steht ein schimmernder Blütenbusch Traurig über die Stäbe geneigt; Die weißen Blüten blicken
Wie bange Kinderaugen Auf ein dunkles Menschenbild, Das zu des Busches Füßen Draußen am Gittersockel
Reglos kauert. Durch bebende Zweige fällt Zerrissenes Mondlicht Und huscht mit Scheu
Über des kauernden Mannes Wüsten Rock und wirres Haar. Seufzend streift vorbei der Nachtwind, Und der weiße Blütenbusch
Sinnt in träumender Trauer: „Arme Menschenblüte, Die du gefallen liegst, Verloren für die Sonne,
Das Angesicht verwüstet, Auf Stein und Staub! Welch liebeloser Gärtner Ließ so dich darben, dürsten,
Daß du verwelkt, gesunken, Zertreten bist in Staub und Stein?“ So sinnt in träumender Trauer Der weiße Blütenbusch ...
Am Himmel aber flammt es Und rollt und grollt, Als rüsteten sich ferne Wetter Zu heißem Zorne.
Das zarte Mondlicht flüchtet Hinter finster ragende Wolken, Und die Nachtigall verstummt ... Nur vom stolzen Hause
An des Parkes Saum Aus erhellten Fenstern Klingt Musik wie perlendes Glück. Aus der Thür des Hauses tritt
Ein Herr in feiner Tracht, Grüßt zurück „Gute Nacht!“ Und kommt gegangen,
Leise trällernd. Mit kaltem Blicke Streift er die Gestalt am Gitter Und geht, sein Liedchen pfeifend,
Grade zur Laterne An der Straßenmündung. Die Flamme der Laterne flackert; Trüber Staub
Wogt vorbei; Rauschend, schaudernd schwanken Des Parkes dunkle Wipfel; Der weiße Blütenbusch
Sträubt entsetzt die Zweige, Ringt mühesam zu fliehen Und duckt sich sausend, klagend: „Nun packt der Sturm mein schwankes Holz
Und schüttelt mich mit grimmer Faust; Das junge Laub, den zarten Zweig Trifft prasselnder Hagel, derbes Eis, Und schlägt die weißen Blüten nieder
Zur gefallenen Menschenblüte.“ Grell am Himmel zuckt ein Blitz Und flammt durch alle Wolken Und flammt hernieder blendend
Durch des dumpfen Schläfers Geschlossne Augenlider In einen wüsten Traum. Und der Mann auf hartem Stein
Hebt verstört vom wüsten Traum Sein wirres Haupt empor, Richtet stöhnend schwer sich auf Und blickt mit wilden Augen
Hinan zu flammenden Wolken Und sieht statt flammender Wolken Zornglühende Gesichter, Geballte Riesenfäuste,
Hört es droben krachen Gleich zersprengtem Erze Und dröhnen dumpf wie stürzende Mauern Und hört vom stolzen Hause
Aus erhellten Fenstern Musik wie perlendes Glück Durch das tobende Wetter höhnisch klingen.
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