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1884

Die Sonnenblume

Bruno Wille

Auf sandiger Heide am Kiefernforst Kauert ein Häuschen gedrückt, An Fenster, Dach und Lehmgewand Verwahrlost und zerstückt.

Des bretternen Stalles Türe klafft; Verloren sind Schafe und Ziegen. Im Dünger ein letztes Hühnchen scharrt, Mürrisch brummen die Fliegen.

Und in der Stube da quarrt das Kind, Das Weib, das zornige, schilt, Des Häuslers Stimme vom Trunke rauh Lästert dazwischen wild ....

Am Fenster die schlanke Sonnenblume Erbebt in heimlichem Leid. Aus Schutt und Unkraut strebt sie scheu Und starrt in die Ferne weit.

Dort hinter vergilbtem Kartoffelkraut Und blondem Stoppelhaar Erglänzt der Himmel wie mattes Gold, Wie Feiergesang so klar.

Dort loht aus überirdischem Licht Eine andere Blume: die Abendsonne. Sie neigt sich zu Grab. Wer die heilige liebt, Sauge noch einmal einzige Wonne!

Und die Sonnenblume, am Glutenball Hängt schwärmerisch starr ihr Angesicht, Ihr gelbumkränztes Träumergesicht, Selig ertrunken im Purpurlicht.

So steht sie, bei Nesseln an wüster Mauer, Wie bebende Arme die Blätter gebreitet ... Versunken die Sonne ... Hinterdrein gleitet Ein Schmachten hinunter mit Todesschauer.

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Die Sonnenblume · Bruno Wille · Poetry Cove