Skip to content
1855

Ihr Sünder auf der Bank vor Gericht!

Walt Whitman

Ihr Sünder auf der Bank vor Gericht! Ihr Sträflinge in Zellen, Ihr Totschläger in eisernen Fußketten Und schweren Handschellen,

Wer bin ich denn, der ich nicht im Gericht, Nicht im Gefängnis sitze? Ich, so ruchlos und teuflisch wie nur je einer! Warum haben meine Hand- und Fußgelenke nicht

Auch schwere Eisenklammern? Ihr Dirnen, die ihr vorübergeht, Prunkend zwischen den Prüden Auf dem Bürgersteige,

Oder schamlos lüstern In eurer Kammer – Wer bin ich, daß ich euch schamloser schelte Als mich selbst?

O schuldig! Ich bekenne mich, ich entblöße mich selbst. (O Verehrer, verehrt mich nicht, lobt mich nicht, Ihr macht mich beben,

Hinter meinem Antlitz, das so unbewegt scheint, Fließen der Hölle Feuerfluten friedlos! Lüsten und Lastern bin ich zugänglich, Ich fühle, daß ich ihresgleichen bin,

Ich gehöre zu diesen Sträflingen und Ausgestoßenen, Fortan will ich sie nicht verleugnen, Denn wie kann ich mich selbst verleugnen?

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Ihr Sünder auf der Bank vor Gericht! · Walt Whitman · Poetry Cove