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1914

Möwe über der Brücke

Maria Luise Weissmann

Dir unterm Fuß, Zwischen den Ufern Schreitender, spannt Sich der Brücke gewölbter Bogen. Und eine Möwe,

Wie ein Gedanke fernher blitzend, Schießt auf dich ihre blendende Bahn. Eine Sekunde Stößt ihr Auge in deines, greift

Dich der weißen Schwinge Umarmung. Eine Sekunde Hebt dich der Flug, trägt dich der Geist, Der schwerelose, brausend empor.

Es weht dich an Der unendliche Raum, es rauscht Freiheit dir unermeßlich ums Haupt. Wie ein Gedanke

Der weiße Vogel, fernhin sich windend, Und kehrt dir einmal wieder vielleicht Solange noch Von Ufer zu Ufer, Wanderer, dich

Der Brücke schweigender Bogen trägt.

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