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1914

Der wandernde Stab

Maria Luise Weissmann

Ahasvers war ich einst, Tannhäusers auch. Ich grünte und ich schlug Wurzeln einmal und wuchs und wurde Strauch.

Nun ist die Welt besät Mit meiner Brut: Ein jeder Schößling trieb Und trieb die alte ungestillte Wut.

Trieb, die sich treibt, die Kraft. Wen sie befiel, Wer mich ergriff, den trifft Ziel nur als Weg zu einem neuen Ziel.

Wer an mir ging, den kann Kein Haus verwahrn, Zu viele Straßen rings, Die ungekannt ins Unbegangne fahrn,

Zu wenig Schnitter für Die große Mahd, Nach allen Händen drängt Und drängt sich gierig die gereifte Saat:

Wegsüchtige, die aus mir Geboren sind Und noch gefangen stehn Und seufzend wehn unter dem weiten Wind...

Mißhör die Sehnsucht nicht, Die um dich brennt, Mensch, faß ein Ding und geh Ihm nach und stills und führs zu seinem End.

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Der wandernde Stab · Maria Luise Weissmann · Poetry Cove