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1642–1708

XiI. Ein verliebter Abschied.

Christian Weise

Meines hertzens königin! Soll ich jetzo von dir scheiden Und die lieben örter meiden Da ich vor gewesen bin?

O du meines lebens leben! Ist denn dieß der strenge Schluß Daß ich gute nacht sol geben? Ja mein liebstes kind! ich muß.

Hier ist doch kein ewig bleiben Und wir müßen uns verschreiben Ferner in die welt zu gehn Unser leben und studieren

Giebet uns den guten rath Bester massen auszuführen Was man angefangen hat. Drum so nimm die treue hand

Gib ihr noch zum letzten mahle Hier bey diesem rosenthale Ein gewisses freundschaffts-pfand Drücke die betrübten glieder

Denn es ist doch nun geschehn Und wer weiß wann ich dich wieder Liebste seele! werde sehn. Dencke mein geliebtes kind!

Und erwege meine sorgen Wann der abend und der morgen Meine seufftzer durch den wind Wird zu deiner seele führen

So wird mein vergnügter geist Dein gedächtniß nicht verliehren Biß der lebens-faden reist. Schönste! lebe dir und mir

Ach! ich habe deinem leben Alles wohlergehn ergeben Drum gedencke für und für Wilst du mir die freude gönnen!

So erhalte deinen schein Biß wir endlich wieder können Höchst-vergnügt beysammen seyn.

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