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1642–1708

XiI. Die endliche Erklärung.

Christian Weise

Ich bin betrübt Weil mich mein kind nicht wieder liebt Denn dieses feuer meiner pein Muß noch zur zeit verborgen seyn.

Und die mir gefället die weiß es noch nicht Und wenn sie es wüste so glaubte sie es nicht Und wenn sie es glaubte so sagte sie es nicht Und wenn sie es sagte so traut ich ihr nicht

Und wenn ich ihr traute so hülffe michs nicht; Drum lieget mein hertze gefangen und spricht: Es ist um mich geschehn Ich bin zu lauter qual versehn.

Ich mache zwar Mein hertz bißweilen offenbahr Und singe manch betrübtes lied Das blos auf ihre schönheit sieht:

Doch wann ich es singe so hört sie es nicht Und wenn sie es hörte so merckte sies nicht Und wenn sie es merckte so wolte sie nicht Und wenn sie auch wolte so dürffte sie nicht

Und wann sie auch dürffte so schickte sichs nicht Indessen so bin ich dem mädgen verpicht Und denck in meiner noth Ist doch die hoffnung noch nicht todt.

Ich seh es wohl Wer im gedancken wuchern sol Biß ihm das gute glücke rufft Der baut nur schlösser in die lufft;

Doch hilfft es mich wenig so schad mir es nicht Und wann es mir schade so schmertzte michs nicht Und wann es mich schmertzte so kränckte michs nicht Und wann es mich kränckte so stürb ich doch nicht

Und wann ich auch stürbe so ließ ich es nicht Sie bliebe mein leben sie bliebe mein liecht Derhalben bleibts darbey Ich bin ihr gut und ewig treu.

Ich ungewiß in meinen sinn Und was ich nicht erlangen kan Seh ich mit schwacher hoffnung an Sie kennet mich endlich und kennet mich nicht.

Ich brenne vor liebe sie liebet mich nicht Doch weil sie nicht liebet so hasst sie auch nicht. Und weil sie nicht hasset so fürcht ich mich nicht Und wo ich mich fürchte verzweiffel ich nicht

Drum tröstet mein hertze sich selber und spricht: Es ist noch nicht geschehn Ich bin noch wohl darzu versehn.

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