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1642–1708

XiI. Der unglückselige Garten-Courtisan.

Christian Weise

Er. Mein kind so treff ich sie In diesem garten an? Sie. Ach daß er doch die müh

Um mich nicht lassen kan. Er. Ich habe sie gesucht Und habe sie gefunden. Sie. Dadurch ist mir die frucht

Der einsamkeit verschwunden. Er. Sie gönne mir die lust Und lasse mich hinein. Sie. Dem Herren ists bewust

Ich muß alleine seyn. Er. Mein kind wie ist sie doch So sauer und vermessen. Sie. Mein Herr ich habe noch

Kein honig-bämmgen gessen. Er. Behält sie ihren sinn Wie sie allzeit gethan. Sie. So geh er immer hin

Wenn ers nicht leiden kan. Er. Ach was vor stiche gibt Sie meinem frommen hertzen. Sie. In warheit es beliebt

Demselben so zu schertzen. Er. Ich stelle mich ja gar Zu ihren diensten ein. Sie. Der diener wird fürwahr

Vor mich zu köstlich seyn. Er. Ich wünsch in ihrer pflicht Zu leben und zu sterben. Sie. Ach nein ich laß ihn nicht

So liederlich verderben. Er. Wenn dieses möglich wär So dörfft ich zu ihr hin. Sie. Er höre wieder her

Wann ich nicht haussen bin. Er. Ein schönes mädgen soll So strenge nicht verfahren. Sie. Den athen möcht er wol

Zu einer suppe sparen. Er. So darff ich nicht zu ihr Mein kind was mach ich nun. Sie. Botz tausend kan er mir

Sonst keinen possen thun. Er. Ein schönes angesicht Werd ich fürwahr nicht hassen. Sie. Mein blut! er kan doch nicht

Die complementen lassen. Er. Sie ist ja roth und weiß Mit rosen umgestreut. Sie. Gewiß er hat den preiß

Der höchsten höffligkeit. Er. Doch fühl ich meine qual Und wünsche kaum zuleben. Sie. Er sag es noch einmahl

Das war recht wohl gegeben. Er. Ich sag es noch einmahl Wie ist sie nun gesinnt? Sie. Fürwar das steht gar kahl

Ist er ein pfaffen-kind? Er. Es ist ihr steter brauch Sie treibet ihr gehöne. Sie. Hat seine mutter auch

Mehr solche kluge söhne? Er. Was hilffts ich ehre sie Und wann sie eisern wär. Sie. Drum war mir heute früh

Das hertze noch so schwer. Er. Ich lauff und bin doch matt Ich brenn und will mich wärmen. Sie. Wer keine bienen hat

Muß freylich selber schwärmen. Er. Nun meine seele soll In ihrer seele ruhn. Sie. Mein herr es wirds ihm wol

Ein ander höltzgen thun. Er. Fürwar ich bleibe da Daß ich sie nicht verliere. Sie. Ach er gewene ja

Das maul zu anderm biere. Er. Jedoch sie lasse mich Nicht vor der thüre stehn. Sie. Mein was bemüht er sich

Ich muß nach hause gehn. Er. Nun so behalte sie Auch ihre stoltze weise. Sie. Er schone seiner knie

Viel glücks auff seine reise.

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