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1642–1708

X. Auff einen falschen Freund.

Christian Weise

Du schändliche kröte nun hast du den gifft An meiner unschuld ausgelassen Du drache dein gifftiges hauchen betrifft Mein leben unverdienter massen

Doch bleib daheim es hat nicht noth Ein solch basilisk der sieh’t mich nicht todt. Du fleischerner teuffel du wanderst herumb Als wie ein löw in finstern püschen

Und siehest dich hinten und fornen wohl um Ob du was schwächers kanst erwischen! Doch lauff nur fort du wildes thier Ein muthiger Hercules streitet bey mir.

Du hungriger wolfs-zahn ach wolst du nicht gern Mich armes schaf zu todte beissen? So lauschet ein listiger habicht von fern Wann er die taube will zerreissen

So schnappet ein räubischer hecht Und jaget wol selber sein eignes geschlecht. An das verhalten meiner jugend? Du eyfriges lügen-maul wirst du nicht roth

Indem du meine reine tugend Zu lauter grossen lastern machst Und meine gedancken so höhnisch verlachst? Du diebische katze was leckst du mich doch

Wann du mich willst von hinden kratzen? Du spitzige zunge was willstu mir noch Von guter gunst und freundschafft schwatzen: Du meinst ich sol ins netze gehn

Drum singst du so lieblich und pfeiffest so schön. Du Türcke du Heyde bedenckst du dich nicht Du unmensch hast du kein gewissen Des himmels gerechtigkeit eiffert und spricht:

Verflucht sey! der sich so beflissen Daß er den nechsten der ihn liebt Mit tausend betrüglichen händen betrübt. Doch schwerme nur besser du rasender hund

Biß mir und aller welt zuwieder; Ich bleibe doch immer am leibe gesund Du aber schlägst dich selber nieder Ein hund der sich so sehr bewegt

Hat selten neun tage zurücke gelegt. Ich habe noch keinen bekannten gesehn Dem du von hertzen günstig wärest: Drum laß ich es endlich gedultig geschehen

Daß du mich hier und da versehrest. Vielleicht kompt noch die liebe zeit Daß mancher sein eiffriges wüten bereut.

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