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1642–1708

X. Auf ein verwelcktes Rößgen.

Christian Weise

Ach mein rößgen ist verwelckt! Welches meiner augen weide Meine wollust meine freude Welches durch das gantzejahr

Meine liebste farbe war Dieses eilet so behende Zu dem unverhofften ende Ach mein rößgen ist verwelckt!

Ach mein rößgen ist verwelckt! Wann ich etwas am geruche An der krafft und schönheit suche Find ich nur ein dürrrs blat

Welches schlechte reitzung hat Gleichwohl konte mein verlangen Gestern in derselben prangen Ach mein rößgen ist verwelckt.

Ach mein vößgen ist verwelckt! Und die zeit die alten dingen Muß ihr letztes urtheil bringen Raubt mir auch das schöne pfand

Gar zu zeitlich aus der hand Daß ich von dem edlen stücke Kaum den schatten noch erblicke. Ach mein rößgen ist verwelckt!

Ach mein rößgen ist verwelckt! Die verliebte frühlings-blume Welche vor dem schönen ruhme Das gedächtniß in der welt

Sonsten auch nichts mehr behält Alldieweil die schönen gaben Sich zu weit verhüllet haben Ach mein rößgen ist verwelckt!

Ach mein rößgen ist verwelckt! Und in dem ich sie betrachte So empfind ich still und sachte Mein gewisses ebenbild

In dem leichnam eingehült Daß ich bald auch werde müssen Meine junge zeit beschliessen Ach mein rößgen ist verwelckt!

Ach mein rößgen ist verwelckt! Und je länger ich die räncke Dieser eitelkeit bedencke Kommt mir auch die süsse zier

Mehr und mehr betrübter für; Drum in dem ich sie beklage Kan ich nicht als daß ich sage Ach mein rößgen ist verwelckt!

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