Ach mein rößgen ist verwelckt!
Welches meiner augen weide
Meine wollust meine freude
Welches durch das gantzejahr
Meine liebste farbe war
Dieses eilet so behende
Zu dem unverhofften ende
Ach mein rößgen ist verwelckt!
Ach mein rößgen ist verwelckt!
Wann ich etwas am geruche
An der krafft und schönheit suche
Find ich nur ein dürrrs blat
Welches schlechte reitzung hat
Gleichwohl konte mein verlangen
Gestern in derselben prangen
Ach mein rößgen ist verwelckt.
Ach mein vößgen ist verwelckt!
Und die zeit die alten dingen
Muß ihr letztes urtheil bringen
Raubt mir auch das schöne pfand
Gar zu zeitlich aus der hand
Daß ich von dem edlen stücke
Kaum den schatten noch erblicke.
Ach mein rößgen ist verwelckt!
Ach mein rößgen ist verwelckt!
Die verliebte frühlings-blume
Welche vor dem schönen ruhme
Das gedächtniß in der welt
Sonsten auch nichts mehr behält
Alldieweil die schönen gaben
Sich zu weit verhüllet haben
Ach mein rößgen ist verwelckt!
Ach mein rößgen ist verwelckt!
Und in dem ich sie betrachte
So empfind ich still und sachte
Mein gewisses ebenbild
In dem leichnam eingehült
Daß ich bald auch werde müssen
Meine junge zeit beschliessen
Ach mein rößgen ist verwelckt!
Ach mein rößgen ist verwelckt!
Und je länger ich die räncke
Dieser eitelkeit bedencke
Kommt mir auch die süsse zier
Mehr und mehr betrübter für;
Drum in dem ich sie beklage
Kan ich nicht als daß ich sage
Ach mein rößgen ist verwelckt!