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1642–1708

ViII. Man soll einander Du heissen.

Christian Weise

Ach! wie geht es immer zu? Die verliebten hertzen Heissen nicht einander du Wann sie freundlich schertzen.

Alles heist nur er und sie Und wann sie sich ehren Kan ich kaum mit grosser müh Schatz und liebgen hören.

Nein fürwar die reden sind Mehrentheils verlohren: Dann die liebe ist ein kind Und wird erst gebohren

Drum so müst ihr diese zeit Als wie kinder leben Und der süssen freundlichkeit Kinder-nahmen geben.

Er und sie klingt viel zu alt Vor die jungen seelen Welche neuen auffenthalt In der lieb erwehlen.

Du und du das schöne wort Muß die küsse würtzen Und die sehnsucht fort und fort Mit der hoffnung kürtzen.

Was kan angenehmer seyn Als die zarten kinder Drum so fängt die liebes-pein Tausendmahl geschwinder.

Wann die gunst-geneigte brust Sich darum bemühet Was sie bey der kinder-lust Als im bilde siehet.

Und darzu so ist noch nicht Was von kindern fertig Wann es mit der zeit geschicht Seyd ihrs kaum gewärtig

Drum eh euch die zeit was gönnt Müst ihr euch verführen Und die kinder wie ihr könnt Selbsten präsentiren.

Selig wer so leben mag Thut mirs zu gefallen Und versuchts nur einen tag Nun so wird in allen

Neue wollust neue ruh Neues wolgedeyen Unter dem verliebten du Euer lieb erfreuen.

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