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1642–1708

ViII. Der betrübte Abschied.

Christian Weise

So werd ich nun von dir getrieben Du allerliebste Marilis! Und soll ich dich vergebens lieben? Denn dieses ist nun mehr gewiß

Nach dem ich meinen schluß gelesen Ich bin am längsten hier gewesen. Nun werd ich dich gesegnen müssen Mein kind! ich hätte zwar vermeint

Ich wolte deiner noch geniessen: Doch mein verhängniß ist mir feind Und rücket mir in einer stunde Das liebste bißgen auß dem munde

Fürwar ich wolte gerne leiden Was immer zu erleiden steht Und solt ich alle lust vermeiden Die mir doch sonst zu hertzen geht

Wenn mir das glücke nur vergünnte Daß ich bey dir verbleiben könnte. Doch hast du irgend meine schmertzen Mit kalten augen angeschaut

Und hast du meinem frommen hertzen Die redlichkeit nicht zugetraut So gieb mir doch auff solche weise Ein freundlich ansehn auff die reise.

Dein leben hat mir wohl gefallen Dein schöner wandel war mein liecht: Wie wol du weist von diesen allen Gleich wie es scheint die helffte nicht

Denn ich behielt die stillen sorgen In meiner engen brust verborgen. Nun muß ich mir den zügel lassen Weil doch nicht mehr zu hoffen ist:

Ich trete schon auff meine strassen Wer weiß wem du bescheret bist Jedoch rühm ich des glückes gabe Daß ich dich nur gesehen habe.

Und wirst du dich mit dem verbinden Der dein und meine freundschafft kennt So wirst du doch kein hertze sinden Das in dergleichen flamme brennt

Jetzt muß ich mich von hinnen lencken Doch wirst du wohl an mich gedencken.

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