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1642–1708

ViI. Alte Grillen.

Christian Weise

Auf ihr stoppeln meiner liebe! Denckt einmahl an jene zeit Als ich meine dienstbarkeit Einer stillen gunst verschriebe

Und mein hertz ein süsses band An der liebsten hertzen fand. War ich nicht dem losen kinde Gleichsam auf den hals gepicht?

Welche stunde fragt ich nicht Wo und wie es um sie stünde? Auch ein blickgen schien ein jahr Wann sie nicht zugegen war.

Ich entschlug mich aller freude Die gesellschafft war mein tod Was mir neue lust gebot Zehlt ich unter meine feinde:

Denn es solt in ihr allein Meine freundschafft fruchtbar seyn. Sie vergnügte mein verlangen Jhre schönheit war mein ruhm

Jhre gunst mein eigenthum Und die rosen ihrer wangen Die sie mir zu eigen gab Brach ich unverhindert ab.

Ach wie hoch wahr ich gestiegen Meine Venus schien mir voll: Doch nach dem ich fallen soll Werd ich desto lieber liegen:

Denn des glückes wechsel-stand Hat sich schleunig umgewand. Nun ich muß mich drein ergeben: Denn ich kan doch nicht dafür

Und ich armer sol ich hier Keine freude mehr erleben So verliehr ich doch das liecht Einer andern hoffnung nicht.

Unterdessen will ich dencken Was ich nicht besitzen kan Und die lust der alten bahn Mir in mein gedächnüß schencken

Ob ich gleich in meinem sinn Nur ein armer jude bin.

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