Skip to content
1642–1708

Vi. An einen verliebten aber doch sehr hoffärtigen lieder-dichter.

Christian Weise

Mein freund was fluchst du auf die sterne Was klagst du ihr verhängniß an Als hätten sie dir aus der ferne So grossen überlast gethan?

Ach bilde dir auf ihren schein Doch nicht dergleichen händel ein. Die sterne welche droben schimmern Sind warlich viel zu stoltz darzu

Als daß sie sich darum bekümmern Was ich allhie auf erden thu: Drum dencke daß dir auch so ist Dieweil du meines gleichen bist.

Es sind ja freylich andre sachen Der hohen satzung unterthan: Doch darffst du nicht die rechnung machen Als gieng es dich ingleichen an:

Denn was dein schwacher sinn begehrt Ist offt kaum deiner sorgen wehrt. Da heist ein irrthum der gedancken Alsbald der sterne gauckelspiel

Und wenn die sehnsucht aus den schrancken Der klugheit sich entreissen will So muß der unbewießne zwang Des glückes vor die richterbanck.

Wann wir begehrten was wir solten So stünd es allenthalben gut Und wir bekämen was wir wolten; Hingegen wo man das nicht thut

Da qvält man sich mit ungedult: Doch hat der himmel keine schuld. Mein freund der stern ist im gehirne Der dir so unglückselig strahlt

Und hinter deiner eignen stirne Steht dein verhängnüß abgemahlt. Der himmel läst dich wohl zur ruh Sprich du nur selbst dein ja darzu.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.