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1642–1708

V. Er will gerne eine Frau haben.

Christian Weise

Sind das nicht unerhörte straffen? Ich bin so hurtig als ein mann Und soll so lang alleine schlaffen Biß ich ein weib ernehren kan:

Indessen hab ich keine ruh Und fleisch und blut spricht nein darzu. Wem sol ich also folge leisten? Ich bin fürwar von holtze nicht

Und fühle meine noth am meisten Wann mich der lose kitzel sticht Und aus den handel merck ich wohl Daß ich die welt vermehren soll.

Was hilfft michs? daß nun mit den jahren Die kinder-schuh vertretten sind. Wann mir der schimpf soll wiederfahren Daß ich muß leben als ein kind

Und daß der zwang der einsamkeit Mir alle freye lust verbeut. Was seh ich doch vor schöne leute Bißweilen auf der gassen stehn

Die alle wolten lieber heute Als morgen diese strasse gehn Doch die gewonheit ist so scharff Daß niemand sich erklären darff.

Man soll der ehre noch erwarten Doch dieser trost der taug nicht viel Die pretzeln schimmeln und verharten Wann man sie frisch versäumen will

Und der beliebten rosen-liecht Scheint in den späten winter nicht. Ach freylich sind es lahme possen Weil man sich noch ergetzen kan

So wird man allzeit ausgeschlossen Hernachmahls geht der handel an Wenn unsre lämpgen auf das ziel Gerathen und verleschen will.

Indem ich dieses liedgen mache So blick ich auf mein dinte-faß Das schickt sich wohl zu dieser sache Die dinte bleibt nicht immer naß

Man schreib und schreibe nicht daraus So trocknet doch der boden aus. Ach! dürfft ich mich nur recht beklagen So darff ich meine liebe noth

Auch nicht dem besten freunde sagen Und das ist ärger als der todt Ich warte weil mein leder hält Wo krieg ich dann mein warte-geld.

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