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1642–1708

Ix. Poeten müssen verliebt seyn.

Christian Weise

Sprecht mich nicht weiter an Um ein verliebtes lied Denn ich bin ausgethan Wo lust und liebe blüht

Das gras ist abgemeyht Die rosen sind vergangen Der winter führt das leid Und hat sich angefangen.

Ich fühle keine lust Die mich zum versen treibt Weil meine kalte brust Unangefochten bleibt:

Das harte silber fleust Nur bey der grossen hitze Und der poeten geist Wird nur im lieben nütze.

Wie kan ich itzt betrübt Und wieder frölich seyn In dem mir nichts beliebt Von anmuth oder pein

Soll mein erfrornes hertz Von glut und flammen singen. Und soll der kalte schertz Die spröde feder zwingen.

Ach nein die aloe Der zucker und zibeth Macht weder wol noch weh. Wann der geschmack vergeht:

Man muß die eitelkeit Der liebe noch ertragen Will man von freud und leid Gereimte reime sagen.

Der ist fürwar nicht klug Der ohn ein seitenspiel Durch einen selbstbetrug Verschwiegen tantzen will

Und so wird mein gedicht Ein schlechtes urtheil fühlen Wo die begierden nicht Die sarabande spielen.

Geh zarte Poesie Du bleibst mir unbewust Geh meine süsse müh Jetzt meine saure lust

Ich schreibe was ich kan Jhr aber meine brüder Sprecht mich nicht weiter an Um schertz und liebes-lieder.

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