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1642–1708

Ix. Marindgen das Hertzen-Diebgen.

Christian Weise

Marindgen wer hat mir mein hertze gestohlen Hast du es etwan selbst gethan? Ich weiß mir dasselbe nicht wieder zu holen Du diebgen gieb dich immer an

Und mache deinen diebstal kund So hab ich mein hertze so bin ich gesund. Marindgen ich suche mein hertze vergebens Wann ich bey andern leuten bin

Du zierde der hertzen du krone des lebens Wo steckst du mir das leben hin? Du hast es doch gewiß bey dir Ach lange den heimlichen diebstahl herfür.

Marindgen du hast mir die helffte genommen Was nutzt mir nun die todte last? Beliebe nur immer noch einmahl zu kommen Biß du mich gantz gestohlen hast

Schleuß mich zu deinem hertzen ein So werd ich vollkommen befriediget seyn. Mein hertze mein hertze Marindgen ich sterbe Wo du mich ferner so betrübst

Und eh ich in meiner bedrängniß verderbe Mir nicht das hertze wieder gibst Drum komm eh sich der schwache geist Auß meinem verstümmelten cörper entreist.

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